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Absolution

Helfen? – Das mache ich gerne, so lange die Arbeit von anderen erledigt wird. Meine Unterschrift beim WWF, mein Konzertticket für Live Aid und der Kauf von Max Havelar Kaffee beweisen es: Ich bin ein guter Mensch.

Auch Bono, der Gutmensch schlechthin, trägt ja Designer Sonnenbrillen, also kann ich mir die Gucci, die mein halbes Gesicht verdeckt, ohne schlechtes Gewissen gönnen. Sie hat übrigens den netten Nebeneffekt, dass man sich wichtiger fühlt; so wichtig, dass man in der Öffentlichkeit gar nicht mehr erkannt wird. Brangelina versuchen das ja auch, aber denen will es einfach nicht gelingen…

Wie sehr erinnern doch diese neuen Wohlfühl-Konsumgüter an die mittelalterlichen Ablassbriefe: Damals betete und zahlte man für das Wohlergehen der Liebsten nach dem Tod und heute erkauft man sich das gute Einschlafen dank ruhigem Gewissen; geändert hat sich allenfalls der Anbieter; und zugegebenermassen auch das Ausmass: Währenddem man früher eine Seele rettete, findet man heute eine Neue im Joghurt Regal: mit oder ohne Ballaststoffe.
Unsere eigene Zerstreuung (um einen Pascal’schen Ausdruck zu borgen) wird umgedeutet in Solidarität und die gute Tat ist längst zu einem Event geworden. Von jedem Glas Champagner, das an der Wohltätigkeitsgala getrunken wird, gehen 50 Rappen an eine Stiftung, deren Namen sich ohnehin kein Mensch merken kann. Genau dafür aber zahlt man ja: Man muss es sich nicht merken…oder glaubt man etwa, dass diese latent provokative Aufregung in der Stimme der so genannten Stars nicht bemerkt wird, wenn diese jeweils verkünden, dass sie irgendwas für irgendwen spenden? – Die afrikanischen Kinder haben halt gar unaussprechbare Namen.

Als die Welt zum Dorf, das elektronische Geld zu ihrem Herzen und der Knopfdruck zu

ihrem Puls wurde, erlebte das Wort Absolution eine erneute Konjunktur. Nach der Wirtschaftskrise kann der Aufschwung ja nicht falsch sein und vor allem: man schläft wieder besser.