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Bilder einer Nacht

Die Bilder der Nacht zuvor ergreifen mich mit erschreckender Klarheit während die gesprochenen Worte nur noch in Fetzen mein Ohr erfüllen. Es überkommt mich die Scham beim Anblick der Blösse, die ich mir wieder einmal gegönnt hatte im Glauben, das bedeute „Leben“.

Vor meinen geschlossenen Augen sehe ich mich auf das Leben anstossen und unter schallendem Gelächter höre ich jemanden sagen, dass dieses Leben wohl nicht allzu lange werden würde, worauf ich entgegne, dass es dafür aber Eines sei, das es wert sei zu leben. Als ich meine Freundin beim Tanz auf dem Tresen beobachte, kippt mein Barhocker mit einem Krachen zu Boden, was den netten Herrn mit der eleganten Krawatte zu einem entgeisterten Blick bringt, der mir sagt, dass ich Keine zum Heiraten bin. Aber ich will heiraten, nur nicht ihn.

Mein vulgäres Dasein in dieser Welt lässt mich bald mehr darüber lachen als schmunzeln. Lieber peinlich als konform: Das Original bedeutet schliesslich mehr als das Abbild.

So gesehen sind die Bilder einer Nacht immer liebenswürdig. Sie zeugen von der verschwenderischen Lust am Leben und der verzweifelten Liebe dazu.