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Frühstück im National

„Where are you staying?“ – „At the Hotel National!“ Und da war es um uns geschehen, denn Frühstücken im Hotel National ist fantastisch – vor allem weils Prosecco ohne Ende gibt.

Jamie holt mir noch ein Bier und erzählt, dass er geschäftlich hier sei und deshalb so gehoben residiere. Mich stört das nicht weiter, im Gegenteil, ich überlege, ob ich mir gerade eine Karrieremöglichkeit bei Philipp Morris angelacht habe.

Weil es der 26. Dezember ist, schliessen alle Lokale früh; selbst die Bar, an der meine liebe Begleitung und ich mit Vorliebe am Montag bis Morgens um vier bestellen. So bieten uns Jamie und sein Begleiter – ebenfalls ein charmanter junger Amerikaner (was hier nach Widerspruch klingt, ist keiner, denn das alles spielte sich noch vor der Hochkonjunktur des Anti-Amerikanismus ab) – an die Party ins Hotelzimmer im National zu vertagen (ja, es ist auch noch die Zeit in der es am Bahnhof oder an der Tanke nach 22.00 Uhr noch Alkohol zu kaufen gibt).

Mein Mangel an Diskretion in jener Nacht – ein Anruf der Rezeption, es sei eine Ruhestörungsklage bezüglich Raum 308 eingegangen – möchte ich an dieser Stelle wettmachen: Der Einblick ins Hotelzimmer bleibt den Lesern dieser Kolumne verwehrt. Es geht ja schliesslich um das Frühstück!

Dummerweise ist mir dann Morgens um Fünf Uhr eingefallen, dass ich mich für den nächsten Tag zum Snowboarden verabredet hatte und das mit meiner Tante, die mich ohnehin für ein schwarzes Schaf hält. So kickte mich der Wecker eine Stunde später zwar nicht aus dem Lande, aber aus dem Nationalbett und vom geplanten Prosecco-Frühstück konnte ich im Schnee nur noch träumen… Nicht einmal ein Holdrio lag drin.

Immerhin hatte ich Jamies Nummer für den Fall, mich von der Zimmergenossin zur Arbeitskollegin mausern zu wollen. Wenn Philipp Morris den schönen Jamie einmal im National unterbringt wird für mich wohl ein Brunch drin liegen.

Eine letzte Anmerkung: Ich arbeite bis heute nicht für Philipp Morris, allerdings nicht etwa weil ich moralische Prinzipien hätte, sondern weil ich nüchtern dann doch zu schüchtern war, um Jamie anzurufen. Brunchen war ich trotzdem – ohne ihn.