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Immer wieder das neue Jahr

Ich bin ja keine Freundin der Neujahrsvorsätze und eigentlich auch nicht des Neujahres als Event. Aber konfrontiert damit werde auch, oder vor allem, ich, denn kaum beginnt das Jahr, beginnt jeweils auch ein neues Lebensjahr für mich.

Vielleicht mag ich die Vorsätze nicht, weil ich zu jenen Zeiten als ich sie noch fasste, ich sie schon am ersten Tag das erste Mal brach und jene beneidete die es guten Gewissens in den Februar schafften. Ich dagegen liebäugelte bereits Mitte Januar mit dem Freitod vor lauter Enttäuschung über meine Inkonsequenz. Vielleicht aber – und das ist die ehrlichere Variante – führt der gute Wille mir nur allzu deutlich all das, was mich an mir selbst verzweifeln lässt, vor Augen. Es sind Jahr für Jahr die genau gleichen Dinge, die ich mir vornehmen sollte und jeder Neujahrstag ruft mir ins Bewusstsein wie viele Jahre ich jetzt schon daran scheitere…

Über das Ende von 2010 war ich für einmal froh. Dieses Gefühl erstaunte mich, denn scheinbar bin ich nun doch auf diese symbolschwangere Dummheit „Happy New Year – ein neues Spiel, eine neue Chance und neues Glück“ reingefallen. Kaum geschehen rief ich die Fastenzeit aus: Kein Wein, Weib und Gesang mehr wie ich es zu Weihnachten noch gepredigt hatte! Für einen kurzen Moment glaubte ich, dass diese Zahl, 2011, alles ändern würde und natürlich zum Guten. Meine Vorsätze müssten ja nicht fürs ganze Jahr gelten sondern nur bis das Januarloch (im Portemonnaie und in meiner Seele) gestopft werden würde. Viel mehr, so dachte ich mir, kann sowieso nicht schief laufen und unter dieser neu gewonnen Hoffnung griff ich gar zu Madame Etoile.

Die Dame mit den Sternen vor den Augen prophezeite mir einen schwierigen, harzigen Start ins neue Jahr was mich aus dem Himmel der Euphorie zurück auf den Boden der Melancholie holte.

Es geht also auch 2011 weiter mit zu viel Zeit und ein wenig Selbstmitleid…