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Mehr als Kino – eine Liebeserklärung

Das Studio Uto in Zürich ist Kult. Seit 1927 weigert es sich hartnäckig, modern zu werden und widersteht jeglichen Mainstream-Versuchungen. Und genau deshalb lieben wir es.

Im Studio Uto wollen wir nicht bequem im neuen Kinosessel versinken. Nein, wir wollen unsere Knochen auf den alten Stühlen spüren. Wir wollen dabei von den alternden Filmstars auf den Postern hoch oben an den Wänden bewacht werden. Wir wollen kein gut gelüftetes, nach Popcorn riechendes Wohlfühl-Kinoerlebnis. Wir wollen eintauchen in eine längst vergangene Welt, da gehört der leicht muffelige Geruch dazu. Wir wollen die dunkle Treppe zum Balkon hochsteigen, die Abenteuer, Ungewisses, wenn nicht sogar leises Grauen verspricht. Wir wollen während des Films das 2er-Tram vorbeirattern hören.

Der Anrufbeantworter des Kinos sagt: „Für alle Filme sind keine Reservationen nötig. Das Kino ist nie ausverkauft.“ Das stimmt. Aber wen kümmerts, wenn wir nur mit einer Handvoll anderer Kinogänger in dem riesigen Saal mit immerhin 256 Sitzplätzen sitzen. Das gehört irgendwie dazu. Und was solls, wenn der Ton etwas ächzt. Wen störts wenn die Türe abgeschlossen ist, weil der Ticketverkäufer halt gerade im Filmräumchen ist, wenn wir ankommen. Wir klopfen wie angeheissen an die Türe um die Ecke und er kommt sofort, kein Problem, setzt sich in sein kleines Tickethäuschen und verkauft uns auch auch gleich das Bier und die Nüssli.

„Das Studio Uto an der Kalkbreitestrasse zeigt ausgesuchte Studiofilme. Die besten Reprisen und Leckerbissen aus dem Arthouse-Bereich“, heisst es auf arthouse.ch. Die „ausgesuchten Studiofilme“ sind aber einfach diejenigen, die in den Arthouse-Kinos nicht mehr gut laufen. Sie laufen dann im Studio Uto auch nicht mehr gut, aber noch ein paar Wochen weiter. Und trotzdem sind seine Besucher fest überzeugt, dass im Studio Uto die besseren Filme laufen. Weil Filme einfach besser sind im Uto. Und deshalb wollen wir die Filme auch nicht sofort nach erscheinen sehen, wir wollen warten, bis sie ins Uto kommen.

Und jetzt wird auch dieser Dinosaurier unter den Zü rcher Kinos digitalisiert.

Das Studio Uto erhält nämlich mit Unterstützung des BAK (Bundesamts für Kultur) einen digitalen Projektor. Das heisst also, bald ist es vorbei mit dem Rattern der Filmspulen im Hintergrund. Ich höre Sie seufzen, und, ja, ich geben Ihnen recht: Es ist schade. Aber es ist eben auch ein Glück, denn wenn das BAK keine Unterstützung für einen solchen Projektor, der schweineteuer ist, bieten würde, wäre das Schicksal des Studio Utos besiegelt. Und Georg Derungs, dem Haus und Kino gehört, müsste entweder sterben (er hat einmal gesagt: „Solange ich lebe, wird es das Kino geben.“) oder seine Worte essen.

Somit ist das Studio Uto gerettet. Und wir sind auch gerettet, wir Utogänger, die das Kult-Kino-Erlebnis nicht mehr missen möchten. Das Rattern der Filmspulen wird uns fehlen, dasjenige der vorbeifahrenden Trams wird uns darüber hinwegtrösten.