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Merceds Benz Fashion Days Zurich – Annabelle Award

Am zweiten Abend der MBFD geht es mit der Verleihung des 9. Annabelle Award „Hommage to the Youth“ in die zweite Runde. Durch den Abend führt Max Loong. Fünf Jungdesignerinnen aus der Schweiz hoffen auf den Gewinn des Award und damit auf ein sechsmonatiges Praktikum bei der Stardesignerin Barbara Bui.

Barbara Bui ist bekannt für ihrem nonchalanten Pariser Chic. Dieser ungezwungene rockig-elegante Look lieben nicht nur Pariserinnen, sie hat sich weit über die französischen Grenzen mit ihrem unverwechselbaren Stil einen Namen gemacht. Bevor uns aber die fünf Finalistinnen ihre Arbeiten vorstellen, bekommen wir Mode von drei etablierten Schweizer Labels zu sehen; Van Bery, Laend Phuengkit und Claudia Zuber.

Die welsche Marke Van Bery, hinter welcher die Designerin Berivan Meyer und ihre Geschäftspartnerin Marie Tournant stehen, präsentiert eine verspielte Frühling/Sommerkollektion. Berivan Meyer designt feminine Silhouetten mit einem Retro Touch. Dabei entstehen luftige Sommerkleider in zarten Farbtönen, die in der aktuellen Kollektion von den 20er Jahren inspiriert sind.

Laend Phuengkit nimmt uns mit seiner Männer- und Frauenkollektion an einen Ort hin, wo Freiheit herrscht aber auch der damit verbundene Schmerz der Rebellion. Die Gegensätze von Macht und Frieden widerspiegeln sich in den Kleidern und erhalten durch geometrische Schnitte zusammen mit fliessenden Stoffen und Drapierungen eine starke Dynamik.

Die Zürcherin Claudia Zuber, die in 2009 ihr eigenes Label gründete, bevorzugt schlichte und sportliche Mode. Ihre Frühling/Sommerinterpretation für 2013 ist geprägt von graphischen und transparenten Elementen in einer Farbpalette der 70er Jahre.

Insgesamt lässt sich ein deutliches Fazit ziehen: Der Abend hat einmal mehr bewiesen, dass Schweizer Mode international mithalten kann. Das beweisen auch unsere jungen Nachwuchstalente, die je drei Looks präsentieren.

Faka Jahai‘s Kollektion trägt den Namen Sheer Tedium, die aber alles andere als eintönig daherkommt. Die körperbetonten Silhouetten ihrer Entwürfe stellt die Frau mit ihrer Feminität ins Zentrum.

Wind ist bei Désirée Gabriel das Thema. Am Anfang noch symmetrisch geschnitten, werden ihre Kreationen immer wilder und lösen sich von jeglicher formalen Struktur. Bei Julia Winkler ist die Idee zu Pinky‘s dream, watch the room beim Musikhören gekommen und zwar als sie die Soundtracks von David Lynch‘s Filmen gehört hat. Aus dieser Stimmung heraus ist ihre Kollektion entstanden. Safia Semlali‘s Kollektion trägt den Namen I took my sister‘s winter and my father‘s fall. Visuell umgesetzt hat sie ihre Inspiration mit Hightech-Materialien, Latex und Seide, mehrfach geschichtet. Ums Erwachsenwerden und Kindheitserinnerungen geht es bei It‘s so bad, it‘s almost good by Stéphanie Rosianu. Die Kugelschreiberprints auf den Kleidern sind die Kindheitserinnerung, der edle Stoff auf dem sie gekritzelt sind, das Erwachsenwerden. Eine gelungene Umsetzung.

Szenenwechsel: Swiss Chic übergibt den Laufsteg dem Pariser Chic. Es folgt eine  tolle Show von Barbara Bui. Ihrem Markenzeichen treu bleibend, sehen wir ihre Interpretation für nächsten Frühling/Sommer. Schmale Hosen, scharf geschnittene Blazer in einem feminin-maskulinen Look und évidemment mit der gewohnten Prise Rock‘n‘Roll in Form von Leder, Highheels, wilden Haaren im Wetlook und roten Lippen. Die Kollektion ist ein Mix aus „purity und simplicity with a relaxed attitude“. Eigentlich genau das, was Frauen wollen. Gestylt aber relaxed aussehen. Das Publikum klatscht frenetisch.

Nun ist es soweit. Die Entscheidung, die nun die Bui fällen muss, ist nicht einfach, weil alle fünf Finalistinnen auf ihre ganz persönliche Weise eine unverwechselbare Note auf einem qualitativ hohen Niveau in ihre Kollektionen einbringen. Aber sie hat sich entschieden und übergibt den Award der Gewinnerin. Es ist Julia Winkler! Vielleicht hat sie Julia gewählt, weil sie wie auch die Bui für starke unabhängige Frauen designt.

Der erste von zwei Abenden unter dem Motto „einheimisches Modeschaffen“ geht zu Ende.