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Seven

Soulsänger Seven sang vor wenigen Tagen als Strassenmusiker mit einer Basler Schulklasse seinen aktuellen Hit „Lisa“. Seventymag war dabei und führte nach dem Advents-Gig mit Seven ein Interview über sein Familienglück, seine musikalischen Pläne und derzeitigen Erfolge. Sevens Antworten, ehrlich und roh wie seine Musik und reifer denn je – wie er selbst von sich behauptet.

Das heutige Adventskonzert hier in der Basler Altstadt ist ein Geschenk an deine Fans. Gleichzeitig singst du heute mit einer Schulklasse hier vor der Paul Kehl Filiale, deinen Song „Lisa“. Wie kamst du auf die Idee mit Kindern gemeinsam auf der Strasse zu singen?
Ich finde, gerade die Weihnachtszeit ist die Zeit für die Familie und die Kinder. Insbesondere die Advents- und Weihnachtszeit ist für Kinder ein Riesen-Ding und deshalb kam mir auch die Idee, mit dieser Klasse den Song „Lisa“ zu singen, so richtig in der Kälte und mit Glühwein. Ich wollte einfach etwas schenken. Zudem kostet es nichts und die Leute können einfach vorbeilaufen und ein wenig Musik von uns und von mir mitnehmen. So ist die Idee entstanden und sogar das Wetter hat perfekt mitgespielt. Einfach perfekt! Die Idee hier in Basel zu singen, gefiel mir auch; und dann mach ich es einfach und überlege nicht lange.

Du bist noch nicht so lange Vater. Inwiefern hat sich seit der Geburt dein Leben verändert? Und widerspiegelt sich deine neue Rolle auch in deinen Songs?
Ich bin generell ja jemand, der immer schreibt. Aber ich hab seit der Geburt noch keine neuen Lieder veröffentlicht. Das klingt jetzt vielleicht sehr kitschig, aber das Leben verändert sich um 180 Grad. Vater zu werden ist etwas vom Schönsten, wenn nicht das Schönste, was ich bisher erleben durfte. Alles, was wirklich wichtig ist, bleibt wichtig; und alles, was bisher nur halb wichtig war, fällt einfach mal weg. Die gesunde Realitäts- und Prioritätenverschiebung in Richtung „gesund“ und in Richtung „echtes Leben“, tut jedem Menschen richtig gut. Mir hat es extrem gut getan! Ich bin nicht mehr auf der Suche; der Prozess des stetigen Suchens ist definitiv vorbei. Diese Tatsache beruhigt und gibt mir noch mehr Energie und eine enorme Selbstsicherheit. Mein aktuelles „Unplugged“-Album und meine rohe und ehrliche Musik widerspiegeln genau diese Gefühle. So etwas hätte ich mich früher gar nie getraut. Meine heutige Einstellung, das bin ich. Entweder passt es euch oder dann nicht – diese Einstellung hatte ich vor meiner Vaterrolle nicht.

Du hast vor wenigen Tagen bei der Aktion „Jeder Rappen zählt“ mitgemacht? Setzt du dich oft für Charity ein?
Ich bin bereits seit 4 Jahren UNICEF-Botschafter und ich konzentriere mich seither sehr auf dieses Amt. Ansonsten mach ich nicht viel Charity, weil ich finde, wenn man ein Gesicht sein möchte, das wirklich etwas bringen soll und vor allem der Aktion einen Nutzen bringen möchte, soll man sich genau darauf konzentrieren und das dann auch richtig und gut machen. Ich bin jedes Jahr bei der UNICEF Sternenwochen-Botschafter und das mache ich auch sehr gerne mit voller Überzeugung und ich denke auch sehr gewissenhaft.

Nike-Schuhdesign-Aktion: Ein wunderschöner Schuh mit vielen „Pünktlis“ ? Hat es dir Spass gemacht, einen eigenen Schuh zu designen? Ein einmaliger Ausrutscher?
Ich hoffe es war kein Ausrutscher ! (lacht…) ähhm… ich höre das Wort „Pünktlis“ immer wieder, auch von Dir (lacht)… ich merke es. Ich musste mich entscheiden zwischen Muster oder Farbe und wenn es zu farbig, ist dann kaufen es Herr und Frau Schweizer gar nicht mehr; und ein bisschen speziell muss er ja sein, denn einen schwarzen Schuh kann jeder designen.

Ja genau ? – darum trägst du Ihn nicht und hast den Schuh in einer Glasvitrine bei dir zu Hause? Stimmt doch, oder?
Stimmt, ich habe diesen Schuh in einer Glasvitrine bei mir zu Hause. Aus dem Grund, wenn ich schon einmal einen Nike-Schuh designen darf, dann gehört er einfach ins Museum – also meiner auf jeden Fall (lacht). Und mein Museum habe ich zuhause in meinem Schuhzimmer.

Bezeichnet du dich selbst als einen bescheidenen Menschen?
Was ist schon bescheiden? Jein. Wenn es um meine Arbeit geht, dann will ich die gleiche Qualität bekommen, in der ich meine Arbeit auch abliefere. Wenn ich zu einem Veranstalter hinkomme und das Ganze ist nicht so, wie ich es mir vorstelle und ich selbst stets 100 Prozent abliefere, dann erwarte ich dasselbe auch von den Anderen. Aber diese Haltung macht mich nicht unbedingt zu einem besseren Menschen. Die Arbeit, die ich mache, von der bin ich 200 Prozent überzeugt; sonst würde ich nicht hier sitzen und dir ein Interview geben. Ich weiss jedoch nicht, ob diese Eigenschaft wirklich viel mit Bescheidenheit zu tun hat. Wenn ich oder wir Tickets verkaufen für Fr. 65.- pro Stück und Tausende von CDs verkaufen und wir gerade deshalb denken, das wiederholen wir jetzt nochmals, dann weiss ich echt nicht, wie man das noch unter den Hut „Bescheidenheit“ stecken kann. Zum Thema „Protz und Klotz“: Das bin ich nicht, ausser wie gesagt, wenn es um meine Arbeit geht und ich auf der Bühne steh. Dann ist das Beste gerade gut genug. Aber sobald ich von der Bühne runter gehe und ich nur Mensch bin, dann genügt mir ein Sandwich oder eine Rösti.

Ungeplante Frage: Jan – stimmt es, dass du langweilige Interviews absolut nicht magst?
Was? Wer sagt das? (Lacht… ) Ist das wirklich so? Das stimmt nicht. Jede Frage drängt sich doch auf und wenn sich eine Frage aufdrängt, ist es auch eine gute Frage. Ich lebe ja von den Medien und euch Journalisten. Und wenn ich die 20 Interviews, die ich vielleicht an einem Tag mal machen muss, nicht mache, dann verkauf ich auch weniger. Weniger Umsatz gleich weniger Output. Die Künstler, die sagen, dass sie die Interviews nerven, die sollen doch besser sofort ihren Job an den Nagel hängen.

Dein „Unplugged“-Album ist ein Riesen-Erfolg und deine Konzerte waren restlos ausverkauft – wann dürfen deine Fans dich wieder zurück auf der Bühne erwarten?
Wir gehen definitiv, da wir eigentlich das Vierfache der Tickets für die „Unplugged“-Geschichte hätten verkaufen können, was jetzt nicht bescheiden klingt (lacht), sondern eher das Gegenteil, wieder auf Tour. Bisher waren wir ja nicht auf Tour, sondern ausschliesslich in der Giesserei in Emmenbrücke. Wir nehmen genau dieses Ding jetzt tatsächlich 2011 nochmals auf die Strasse, weil die Nachfrage tatsächlich so gross war und wir selbst auch viel Spass daran hatten. Bei der kommenden Tour bin ich mit elf Musikern und Streichern und einem kleinen Chörli auf der Bühne und es werden diesmal sieben Konzerte in sieben diversen Städten.

Bei deinen Konzerten in der Giesserei gabst du den Dresscode vor. Abendgarderobe für Sie und Ihn war Pflicht.

Wieso das?
Die ganze Band und das ganze Layout trägt Smoking. Die Sitzplätze, und das sind es diesmal ausschliesslich, sind klar etwas teuer. Aber dafür sind auch nicht 1000 Leute im Saal, sondern nur maximal 400 und die in gepflegter Kleidung. Ich wollte einfach ein Erlebnis kreieren, wo auch das Umfeld und alles einfach zusammen passt und es für einmal einfach nicht ein normales Konzert ist. Ich wollte das Erlebnis bewusst so kreieren und von meinen anderen Konzerten trennen, die dann eher rocken und wieder eher in die Beine gehen. Die ganze Idee ist extrem gut bei den Gästen angekommen. Die Zuschauer geniessen den Dresscode richtig und zelebrieren ihn auch. Aus diesem Grund und infolge Riesen-Nachfrage wiederholen wir das Ganze nochmals.

Du hast kürzlich zum Majorlabel Sony Music gewechselt – ein Traum für jeden Musiker ?
Ja klar. Es ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe diesen Zeitpunkt bewusst rausgezögert, bis ich kürzlich zu einem Grossen gewechselt habe. Ich wollte in die Champions League wechseln und in dieser Liga muss man mit einem Klub zusammenspielen, der auch in dieser Liga spielt, sonst kommt man da gar nicht rein. Das ist einfach so und so sind die Regeln des Spiels. Jetzt bin ich in der glücklichen Position und darf sagen, wie ich es haben möchte. Vor fünf Jahren war dies noch nicht der Fall, doch seither habe ich bewiesen, dass es funktioniert, vorausgesetzt man lässt mich einfach machen. Bei Sony geniesse ich absolute Narrenfreiheit und das ist einfach nur genial. Mit meiner eigenen Firma Redkey machen wir weiterhin das Booking und das Management und den Executive Producer, das heisst die CD-Produktion machen wir selbst. Und wenn die fertig ist, geben wir diese Sony in die Hände und die machen dann das Beste draus. Das ist natürlich eine perfekte Hochzeit, denn auf der einen Seite darf ich künstlerisch komplett alles selbst finanzieren und auch umsetzen, so wie ich es haben möchte, und auf der anderen Seite habe ich einen extrem starken Partner, der mir vertraut und das Maximum rausholt.

Viele lieben deine Songs. Was für musikalische Vorbilder hast du ausser George Michael?
(Lacht) Ja ich bin wirklich ein wenig noch von der alten Garde, George Michael ist für mich sowieso der beste weisse Sänger, den es je gab, oder auch Stevie Wonder und Michael Jackson find ich einfach top. Ich würde mal behaupten, wenn man es synapsentechnisch zurückverfolgen würde, sind die auch der Grund, wieso ich solche Musik mache… Ich habe selbst kein wirkliches Vorbild. Klar ich hör mir gerne die Musik an und denke, doch das ist wirklich geil, das möchte ich auch mal ausprobieren. Aber schlussendlich fällt alles in einen Topf und dann wird man etwas Eigenes und das war bei mir genau so.

Du hattest in letzter Zeit ein straffes Programm mit Konzerten und Interviews. Wie erholst du dich nach so einem Marathon und bist du ein Mensch, der auch mal einen Gang zurückschalten muss?
Klar. Ich führe jetzt seit neun Jahren das selbstständige Musikerleben und das heisst, dass man sich den Alltag auch immer ein wenig zurecht schrauben muss. Keine Woche ist bei mir gleich und deshalb muss ich meinen Tag strikt gestalten. 8 Uhr im Büro, dann die Hintergrundarbeit und die Proben… man muss die Tage und Wochen so straff planen, dass man vom Zeitablauf her in einer normalen Arbeitswoche landet. Ansonsten macht man nach zwei bis drei Jahren schlapp. Wenn ich ein Konzert gebe, komme ich am Morgen um drei Uhr nach Hause und habe dann zwei Stunden Vollgas hinter mir, zudem 2,5 Kilogramm an Körpergewicht verloren. Ich mache vier bis fünf Mal die Woche Sport und die Ernährung muss auch stimmen, sonst würde ich alles gar nicht durchhalten. Ich benötige eine Vorbereitungszeit und auch die Erholung und Zeit mit der Familie; das gehört in den Arbeitsplan, wie Meetings oder ein Interview mit Dir.

Wie feiern Du und deine Familie Weihnachten?
Extrem kitschig! Meine ganze Terrasse leuchtet (lacht). Es ist alles total voller Lichter.

Aber kein blinkendes Licht und das alles in Farbe, Jan oder ? Wäre sonst nicht gerne deine Nachbarin? ?
(Lacht…) ich kann dich beruhigen. Es ist kein blinkendes, kaltes und kein farbiges Licht, das geht gar nicht. Die Weihnachtsbeleuchtung in Zürich ist der beste Beweis, wie man es absolut nicht machen sollte. Die Beleuchtung der letzten Jahre war noch schlimmer und sah aus wie ein Krankenhaus mit Stromproblemen. Aber die neue Beleuchtung finde ich für den 1. August echt in Ordnung. (Lacht) Findest du das schön?
Rahel: Kein Kommentar von mir, ich bin Zürcherin und hab bei der langersehnten Lichtereinweihung eine Moderation gemacht und ich will die Heimreise später wieder nach Zürich antreten. Aber danke, Seven, für deine Gegenfrage – du bist dran. ?

Letzte Frage – der Song “On and On” hast du deiner Frau gewidmet. Wann hast du Ihr den Song geschenkt?
Das ist ein Song vom „Home“-Album. Vor drei Jahren widmete ich diesen Song meiner Frau, das stimmt. Aus irgendwelchen Gründen war auch dieser Song auf dem „Unplugged“-Album der stärkste Song. Der Song hat auch für mich die Ausstrahlung, welches das ganze Album ein wenig umschreibt. Es sind nicht immer die Songs die besten, die die Radiostationen stark vertreten, sondern es muss ein Repräsentant sein für das Ganze. Dieser Song ist ein solcher Repräsentant und klar: Es ist ein sehr emotionaler und schöner Song.

FOTOGRAFIE: JETTA DEPLAZES