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Soie pirate – Schweizer Stoffe für die Fashionwelt

Das Textilarchiv der ehemaligen Zürcher Seidenfirma Abraham ist nun im Besitz des Zürcher Landesmuseums. Für alle Textilinteressierte ist diese Ausstellung ein Muss.

Die Liebeserklärung an die Seidenindustrie beginnt mit dem Zitat von Gustav Zumsteg „Seide machen ist für mich eine histoire d’amour“. Die Überschrift an der Wand erinnert den Besucher daran, dass die traumhaften Stoffe Zürichs früher von grosser Bedeutung waren. 1870 und 1900 als Hochburg der Seidenindustrie -machte sie 50 Prozent der gesamtschweizerischen Textilindustrie aus.

1878 belieferte Abraham alle grossen Couture-Häuser mit ihren Stoffen. Die Musterbücher und Kollektionen findet man in einer Bibliothek im ersten Raum. Gustav Zumsteg, welcher zu den zentralen Persönlichkeiten des Unternehmens gehörte, pflegte und ergänzte das Archiv mit viel Liebe.

Die familiäre Verbindung zum Zürcher Restaurant Kronenhalle wird in einer kleinen Ecke deutlich gemacht. Ein Stück Kronenhalle wird anhand eines Tisches, einer Speisekarte des bekannten Gourmet-Tempels sowie mit Originalbildern dargestellt und erinnert den Besucher nebenbei daran, dass auch traditionelle Schweizerküche ein Genuss sein kann. Gustav Zumstegs wertvolle Beziehungen zur internationalen Modewelt pflegte er stets und aus manchen Bekanntschaften entstanden lebenslange Freundschaften. Unter anderem sieht man ihn auf einem Foto mit Coco Chanel und Cristobal Balenciaga an einem Tisch.

Beim Rundgang fallen hauptsächlich die riesigen Stoffballen auf, welche sich durch ihre charakteristische Motivsprache auszeichnen. 700 Stoffe sind in 17 Motivgruppen eingeteilt. Die verschiedenen Motive, seien es Blumen, Animal-Prints oder Karo können via Flachbildschirm abgerufen werden.

Die schweren Stoffe zeugen von sehr edler, kostbarer Qualität – Christian Dior, Yves Saint Laurent wie auch Hubert de Givenchy wussten diese offenbar zu schätzen. In einem kleineren Raum wird die Zusammenarbeit mit diesen Designern dargestellt. Unter anderem kann eine Kollektion von Yves Saint Laurent an Modellen bewundert werden.

Die beeindruckende Ausstellung zeigt 227 Musterbücher, einen auf einem Tisch ausgerollten Stoff, an welchem das Herstellungsverfahren von Abraham-Stoffdrucken gezeigt wird sowie Modefotografien aus den Jahren 1949-1996, welche die Veränderung der Mode sowie die Entwicklung der Modefotografie und die wechselnden Frauenbilder als auch Schönheitsideale festhalten.

Die Sammlung wird abgerundet mit diversen Zitaten an einer Wand. Unter anderem mit: „Mode ist eine mysteriöse Angelegenheit, die man nicht erklären kann, sondern empfindet“. Die Stoffe können endlich angefasst werden. Am Liebsten würde man gleich einer der Stoffe in Form eines Kleides selber tragen, – natürlich mit dem Empfinden, dass das Kleid von einem der grossen Modeschöpfer entworfen wurde.

www.soiepirate.ch