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Wochenendtipp Nr. 46

Endlich ist es da – das dritte Album von Crystal Castles! Und wie nicht anders zu erwarten war, bringt es Zwölf unglaublich tolle Songs mit sich – geprägt durch die Stimme von Alice Glass und die Beats von Ethan Kath. Da man sich bei diesem Album vor Begeisterung kaum halten kann, gibt es dieses Mal einen ausführlicheren Wochenendtipp als sonst, welcher ausnahmsweise zu Beginn der Woche erscheint, um euch die Wartezeit aufs Wochenende mit guter Musik ein wenig zu versüssen!

So ziemlich in jedem der Songs auf dem Album Crystal Castles (III) verweisen die meist beinahe zur Unerkennbarkeit verzerrten Lyrics auf die Abneigung gegenüber einer scheinheilig intakten Welt, in der wir täglich ums komfortable Überleben kämpfen. Die Thematik des Albums wird noch klarer, wenn man sich die gesungenen Texte vergegenwärtigt: “Mercy we abstain. Hope you’re entertained. Snow covers the stain.” (Child I Will Hurt You) “Without past I can’t disappoint my ancestry.” (Affection) “She wears her veil at night. You can’t disguise sad eyes.” (Sad Eyes) “We dissolve everything. Scratch follicles so they don’t grow. Expose your shame for all to see. Sell your bones as ivory.” (Insulin) “I’ll protect you from all the things i’ve seen. And I’ll clean your wounds, rinse them with saline, kerosene.” (Kerosene) “And they will always let you down. And I will always let you down.” (Violent Youth) “You can not convert me, reparations unseen.” (Mercenary) “Don’t try to enlighten me.” (Plague)
Verstärkt werden die Parolen durch den Umstand, dass aktuelle Weltgeschehen als Grundlage für die Songs dienten und wir somit direkt ins hoffnungslose Hier und Jetzt katapultiert werden. Passend zum Inhalt des Meisterwerks Crystal Castles (III) scheint auch das Albumcover zu sein: Es handelt sich dabei nämlich um eine künstlerisch umgewandelte Version des preisgekrönten Pressefotos, welches eine yemenische Frau namens Fatima al-Qaws zeigt, die ihren nach einer Demonstration verletzen Sohn in den Armen hält. Die Pose auf dem Bild erinnert an Michelangelos berühmte Skulptur Pietà, welche eine junge Madonna zeigt, die den gekreuzigten Jesus in den Armen hält. Mindestens eine Gemeinsamkeit besteht dabei mit Sicherheit: Es wir ein Moment höchster emotionaler Ladung festgehalten! Fatima selbst sagt über das Foto: „I remember the moment that I embraced him because I thought he was dying. I was crying, but I wasn’t crying because I was sad, I was crying because I had found my son and he wasn’t dead yet.” (1) Aufgrund unseres alltäglichen Mediengebrauchs sind wir uns Bilder von Toten, Verletzten und Elend bereits zu genüge gewöhnt. Crystal Castles nehmen äusserst kreativ die traurigen und aktuellen Weltthemen in ihren Songs auf und sprechen sich somit über Unterdrückung, Aufstände, Religion und Heuchlei in direkter Art und Weise aus. Die katholisch erzogene Alice Glass verspürt eine starke Abneigung gegenüber religiöser Reinheit sowie der Kriche überhaupt, denn beides sei für Völkermord, Hexenverbrennungen sowie Tilgung von Tötungsdelikten im Namen des Herrn verantwortlich zu machen. Ausserdem spricht sie sich gegen die ihr aufgezwungene religiöse Erziehung aus. Zum Glück verpacken Crystal Castles ihre Hoffnungslosigkeit angemessen in derben Klängen und bieten uns mit ihrem dritten Meisterwerk somit ein Erbgut, welches perfekt in unsere kaputte Welt passt. Folgendes steht fest: Das gesamte Album lässt sich prima an einem Stück hören und endet mit dem melodiösen und eher ruhigen Lied namens “Child I Will Hurt You”. Zu unseren Lieblingssongs gehören weiterhin: Affection, Kerosene, Pale Flesh und Violent Youth – wobei man alle anderen Songs des Albums genauso nennen könnte! Zur Feier des Tages haben wir ebenfalls eine heisse Konzertempfehlung, welche man unbedingt in der Agenda eintragen sollte: Crystal Castles spielen dank dem Veranstalter Just Because am 4. Dezember 2012 live im X-Tra Zürich – wir freuen uns sehr darauf!

Quelle: (1) www.bbc.co.uk