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Zuggeflüster

Der Kluge reist im Zuge – das stimmt nicht wie ein Streitgespräch über die Liebhaber-Qualitäten deutscher Männer zeigt.

Die Behauptung der einen Front lautet: Deutsche Männer sind gut im Bett. Diese These basiert auf einem induktiven Schluss; ich hatte guten Sex mit einem Deutschen und deshalb ist Sex mit Deutschen allgemein gut.

Gegenthese: Verona Pooth-Feldbusch hatte schlechten Sex mit Dieter Bohlen. Dieter Bohlen ist Deutscher. Also sind die Deutschen schlechte Liebhaber.

„Du willst doch nicht etwa sagen, dass alle deutschen Männer schlechten Sex bieten, bloss weil der Dieter Bohlen eine Bettflasche ist?!“ quietscht ein ungefähr 15-jähriges Stimmchen aus dem rückwärts fahrenden Sitz. Nicht dass die etwas beleibte Vorwärtsfahrende die Diskussion bereits jetzt hätte ad acta legen können, in dem sie der Quietschente aufgezeigt hätte, dass auch ihre Behauptung sich auf einen Einzelfall berufe, dessen Ursprung nicht weniger zweifelhaft ist, als die Pooth’sche Aussage. Stattdessen zuckt die Flaschen-Front zickig mit den Achseln und lässt ihre Hand verlegen in einer Tüte Aldi-Chips verschwinden. In schwindelnder Höhe – was die Oktaven anbelangt – erklärt nun die Sonderbeauftragte für sexuelle Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland, dass man wohl nicht von Dieter Bohlen auf die anderen 40 Milliarden Deutschen schliessen könne und dass es sowieso plausibler sei, dass die Schlampe Verona gelogen habe, denn die ist jetzt ja mit diesem Pleiten-Franjo zusammen und kann deshalb keine Ahnung von wahrhaft gutem Sex haben, denn Franjos Sack ist in jeder Hinsicht leer.

Die Strategie für den Gegenschlag ist jetzt so offensichtlich, dass selbst der Fettfilm der Chipstüte nichts zu verschleiern vermag: „Deutschland hat doch nicht 40 Milliarden Einwohner! So viel hat nicht einmal die ganze Welt!“ „Nicht? Bist Du sicher? – Wie gross ist denn dann die Welt?“

Der endgültige Diskussionssieg wurde wieder verpasst: Man hätte ja einwenden können, dass die Grösse, also die der Welt, eh nicht zählt. Doch das ahnungslose Käsegesicht der befragten jungen Dame veranlasst mich zu der Überlegung, mich ins Gespräch einzuschalten und diese „size-matters-Frage“ zu klären. Währenddem ich mich noch für meine voyeuristische Ader schäme, setzt ein Herr meine Gedanken in die Tat um. „Derzeit leben circa 6.7 Milliarden Menschen auf der Welt. Darunter gibt es übrigens mehr Männer als Frauen“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu und wendet sich wieder dem NZZ-Feuilleton zu.