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Zürich geht baden

Baden wo früher Bier gebraut wurde? Genau das kann man jetzt. In Zürichs erstem eigenen Thermalbad.

So, Herr Zwingli, jetzt hat Zürich doch noch ein eigenes Bad bekommen, höchste Zeit aber auch! Bis anhin musste nämlich in Baden gebadet werden, nicht, weil kein eigenes Thermalwasser vorgekommen wäre, sondern weil sich das halbnackte Verlustieren und Entspannen in der Öffentlichkeit im zwinglianischen Zürich nicht schickte. Heute ist das zum Glück anders und das Thermalbad im Hürlimannareal an der Brandschenkestrasse im Kreis 2 lädt genau dazu ein.

Die verschiedenen Bäder befinden sich in den Kellergewölben und auf dem Dach der ehemaligen Bierbrauerei. Man badet in riesigen Holzbottichen, die an Bierfässer mahnen, und wandelt in Badehose oder Badekleid bis zu zwölf Meter unter der Erde durch lange gewölbte Steingänge, unter Steinbögen hindurch.

Riesige Leuchter aus etwas, das aussieht wie tausend zerknüllte Papiertaschentücher, hängen von den hohen Decken. Andere erinnern an gigantische Diskokugeln oder Riesentränen aus tausend Glasteilen. Sie sorgen für ein angenehm warmes Licht in den steinernen Gefilden.

Die Innenarchitektin Ushi Tamborriello spricht bei unserem Rundgang von amorphen Formen, von der Leichtigkeit und Schwere, von Innerlichkeit und Äusserlichem, vom dramaturgischen Gedanken, der sich schliesst, von Tiefen und Höhen und natürlich vom Höhepunkt: dem Dachbad.

Hoch oben auf dem Sudhaus, dem höchsten Gebäude der Brauerei, mit einer umwerfenden Rundumsicht auf Zürich zu baden ist nicht schlecht, oder? Vielleicht wäre da sogar Zwingli auf den Geschmack gekommen.

Das Thermalbad kann ab sofort besichtigt werden. Für Badegäste öffnet es seine Türen voraussichtlich am 18.

Dezember 2010.
www.thermalbad-zuerich.ch