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Blingbling Yoga – oder Yoga?

Aus vielen Ideen lässt sich Geld machen, von manchen, wie Yoga, sollte man besser die Finger lassen. Ein Blick in das „moderne“ Yoga im Wandel der Zeit.

Im Personallift des Grand Hotel Dolder an Zürichs Hausberg hängt nebst Bildern von internationalen Finanzbossen ein Foto von Bikram Choudhury, Gründer des Bikram Yoga. Den Angestellten des Fünfsterne Hotels wird deutlich eingetrichtert wen sie mit spezieller Aufmerksamkeit zu behandeln haben.

Ein Papst oder andere „geistige“ Oberhäupter sind nicht zu finden – verdienten auch keine Milionen mit Abzockermaschen. Bikram Choudhury, von vielen mit heiligem Eifer als nahezu übermenschlicher Yoga-Guru verehrt, nennt mindestens 35 Rolls Royce und Bentleys sein Eigen, besitzt eine Villa mit Swimmingpool in Beverly Hills, ein gesundes Selbstbewusstsein und tapeziert seine Wände mit Fotos von sich mit Hollywoodstars – und nennt dabei alle anderen, die einen anderen Yoga Stil praktizieren, Clowns. Hört sich weniger nach Yoga an, vielmehr nach einem Pionierbusiness.

Lady Gaga kommt nach Zürich und geht -nicht überraschend- in ein Bikram Studio. Die Frau hält sich körperlich und geistlich fit – schön. Dennoch lässt sie sich, kaum im Studio, mit Bikramanhänger Blingbling-Accessoires, standardmässig überschminkt und im Hollywoodoutfit, ablichten. Nach der Lektion, von Übungsverletzungen keine Spur, Glück – das Publikum strahlt und applaudiert blauäugig. Willkommen im Blingbling Yoga. Yoga, vom esoterisch angehauchten 60er Jahre Phänomen, wurde schon längst zu einer modischen Farce. Designerbag ist Pflicht, Yogamatte vom Exklusivlabel gehört dazu – Madonna und Daniel Graig machens vor. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Donna Karan: Nach dem Krebstod ihres Mannes hat die Modedesignerin und überzeugte Yogaschülerin 850’000 USD in alternative Krebsforschung durch Yoga Therapie investiert – bravo.

Yoga gleich Fashion – oder umgekehrt?
Die Philosophie sagt, Yoga ist mehr als nur schweisstreibendes, körperstählendes Turnen – auf Schönheit wird grossen Wert gelegt. Ein angenehmes Äusseres zeugt von Respekt. Der Wille, seinen Körper als „Tempel“ zu behandeln zählt. Wohlgestalt und Sauberkeit sind wichtig, wenn man sich mit Yoga auseinandersetzt. In einem schönen Raum mit Menschen Yoga zu praktizieren, die hübsch anzusehen sind ist eine sehr erfreuliche Erfahrung. Mit Kleidung und Schönheit individuell umzugehen und den Anspruch auf Yoga subjektiv anzugehen, liegt in der Natur des Menschen. Es gibt keine Regel, wie Yoga auszusehen oder sich anzufühlen hat.

Meine erste Lehrerin prädigte mir schon früh: „Jeder lehrt und praktiziert Yoga so, wie er ist.“ Okay. Nun ein wenig eingeschüchtert, hat es mich heute nicht toleranter gemacht – irgendwie. Dass manche Menschen etwas über das Ziel hinaus schiessen mag an der weitverbreiteten Meinung, Hollywood sei das Nonplusultra der Trends und Weisheiten, liegen. Der Wunsch, bequem errettet zu werden – eine allgemeine Verbreitung.

Solange Geld, Ruhm und Annerkennung erworben werden können, die „Schäfchen“ einen Star-Guru haben der die Gossipseiten füllt, wird es auch Bikram Choudhury geben. Für alle anderen, auf dem Boden gebliebenen, bietet sich das „Model Yoga“ im Kunsthaus Aarau an. Das Gebäude von Herzog & de Meuron designt, von einer Modedesignerin unterrichtet, lässt sich Fashion halt doch mit Yoga kreuzen – Namaste!

www.iyengar.ch
www.anusara.com
www.theyogaplace.ch