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Im Interview: Jana Scheel

Bildschirmfoto 2013-11-21 um 17.22.40Jana Scheel die Vice Präsidentin von Paul Mitchell ist bereits zum 4 Mal mit ihrem 11 köpfigen Team für die tollen Haarkreationen an den Zurich Fashion Days verantwortlich. Was Jana für eine Cheffin ist, warum der Pony Tail Look ein immer wieder gewünschter Hairstyle ist und was sie abseits von Haaren sonst noch mag, verriet sie mir im Interview für Blackpaper. 

Nadja Brylka: Wie geht es dir am 2. letzten Tag der MBFDZ?

Jana Scheel: Ganz gut soweit, als wir heute morgen angekommen sind, hatten wir zwar ein kurzes Tief, da  schon zwei anstrengende Tage hinter uns liegen, aber jetzt läuft es wieder ganz gut und wir sind alle gut drauf.

NB: Was treibt dich an und was fasziniert dich immer wieder neu an Fashion Shows wie die MBFD mitzumachen?

Jana Scheel: Immer kurz vorher sagen wir uns „Oh Gott, dieser ganze Stress wieder“ aber wenn wir mitten drin sind, dann lieben wir es einfach. Die Arbeit mit den Models ist toll und es ist mittlerweile wie ein Familientreffen, auch mit den Make-up Artisten, da wir bereits das 4. Jahr dabei sind. Die Looks, die neuen Herausforderungen mit den Designern, obwohl man vorher kurz Kontakt hatte um den Look zu besprechen, wechseln sie dann kurz vor Ort doch oft wieder ihre Meinung und dann verändern wir die Haare noch mal. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig und genau das ist es, was mich an meiner Arbeit fasziniert und antreibt.

NB: Arbeitest du immer mit dem gleichen Team von Hairstylisten?

Jana Scheel: Es gibt ein Kernteam, das schon seit vielen Jahren mit dabei ist und auch bei mir im Kreativ-Team mitarbeitet. Aber dann kommen immer wieder mal neue Hairstylisten hinzu, die aber alle mindestens 1 Jahr Ausbildung in meinem Kreativ-Team absolviert haben. Wir haben somit keine kompletten Young Bloods im Team.

NB: Warum wählen viele Designer immer wieder den streng zurückgekämmten PonyTail Look?

Jana Scheel: Wir haben dieses Jahr von 25 Designern nur 3 die dieses Jahr den zurückgekämmten PonyTail Look gewünscht haben. Vor 2 Jahren hingegen haben wir den Pony Tail Look rauf und runter frisiert. Dass man diesen Look immer wieder an Fashion Shows sieht hat damit zu tun, dass er schlichtweg ein Klassiker ist. Ein weiterer Grund ist auch, dass mit diesem Look die Haare in den Hintergrund und die Kleider dadurch in den Vordergrund treten, was natürlich bei vielen Designern beliebt ist.

NB: Was sehen wir nebst dem Pony Tail Look sonst noch für Haarkreationen an den diesjährigen MBFD?

Jana Scheel: Wir haben extrem viel verschiedene Looks dieses Jahr. Ein Wet-Look der sich aber trocken anfühlt, einen absoluten Sleek-Look aber mit offenen Haaren, wir haben voluminöse Bewegungen, zusammengebundene Haare, also wirklich quer Feld ein dieses Jahr. Gottseidank, ist auch für uns spannender so.

NB: Kann eine Frisur einem Outfit die Show stehlen?

Jana Scheel: Ja. Damit das nicht passiert, setzen wir uns mit den Designern zusammen und besprechen den gesamten Look, wie er zu wirken hat und welche Frisur sich am besten dazu eignet. Am Mittwoch bei Little Black Dress zum Beispiel haben nach der Show alle über die Kleider gesprochen aber im gleichen Atemzug auch über die Haare. Die Haare waren voluminös, rockig und big. Das hat einen richtigen Wow-Effekt ausgelöst. Nach der Show sind viele Moderatorinnen zu uns gekommen und wünschten sich genau dieses Hairstyling für sich selber. Dass die Haare bei Little Black Dress jetzt aber so im Gleichschritt mit den Kleidern gingen, war mit den Designern Joanna und Eliane abgemacht und für sie auch total in Ordnung. Bei Colangelo hingegen, der sehr geographische Kreationen zeigte, wünschte sich die Haare mehr im Hintergrund, damit es nicht too much wird.

NB: Gibt es irgendeinen Hairstyle den du nicht machen würdest. Wenn ja welchen?

Jana Scheel: Wir machen alles, was absolut vertretbar ist. Was wir nicht machen weil es nicht der Philosophie von Paul Mitchell entspricht, sind Haarkreationen mit irgendwelchen Tieraccessoires. Wenn ein Designer das möchte, muss er das selber rein machen. Am Samstag werden wir einen Look zeigen, bei dem man gar nichts von den Haaren sieht, das hingegen lassen wir schon mal durchgehen. Das ist ok, denn es ist auch für die die Zuschauer spannend, mal was anderes zu sehen.

NB: Wie sieht der Ablauf einer Haarkreation für eine Show aus?

Jana Scheel: Einige Designer schicken uns im Vorfeld ganz klare Bilder ihrer Vorstellung der gewünschten Haarkreation zu mit der Beschreibung wie sie‘s haben wollen. Dann machen wir ein Testfrisieren und schicken ein Foto davon wieder dem Designer zurück. Das kann ein paar Mal so hin und her gehen, bis alle zufrieden sind.

NB: Wenn ihr also backstage eintrifft, sind die Looks alle schon besprochen und klar?

Jana Scheel: Soweit mal Ja. Es kann aber durchaus vorkommen, dass ich in der Nacht vor der Show Anrufe oder Emails von Designern erhalte, die in der Nacht erwachen und plötzlich ihre Meinung ändern was den Haarlook angeht. Da arbeiten wir dann schon auch mal nachts. In dieser Phase ist mein Handy auch immer auf Laut, damit ich keinen Anruf verpasse damit diese kurzfristigen Änderungen noch umgesetzt werden können. Kurz vor der Show wird der Look anhand eines Testmodels nochmals dem Designer gezeigt um sein letztes OK reinzuholen. Das ist für uns gut aber auch für die Designer. So sind alle beruhigt.

NB: Backstage geht es ja immer sehr hektisch zu und her. Wie gehst du mit Stress um?

Jana Scheel: Ich ignoriere den Stress um mich herum und innerhalb von meinem Team holen wir uns gegenseitig immer wieder runter. Wir haben sehr viel Fun und machen gute Stimmung und manchmal sind wir auch alle schon ein bisschen gaga und reden wirres Zeugs aber genau das hilft uns allen gegenseitig, uns nicht vom Stress anstecken zu lassen.

NB: Wie bist du als Cheffin? 

Jana Scheel: Oh, was ich für eine Cheffin bin? Da müsstest du meine Mitarbeiter fragen. In diesem Moment kommt spaziert Martin Emmenegger vorbei und Jana gibt ihm die Frage gleich weiter. Martin‘s Antwort lautet: „Die Jana ist wie ein Mami zu uns und wir sind bemüht, dass es der Jana, unserem Mami, auch immer gut geht“.

NB: Wie gross ist dein Team und wieviele Hairstylisten arbeiten pro Model?

Jana Scheel: Im Normalfall ein Hairdesigner pro Model und so arbeitet er sich von Model zu Model durch. Wenn es aber ein Quick-Change ist, d.h. wir vom einen Designer zum anderen den Look ändern müssen, und wir nicht mehr als 10 Minuten Zeit haben, dann arbeiten 3-4 Hairstylisten an einem Kopf.

BP: Kontrollierst du die Frisur jedes Models persönlich bevor es auf den Laufsteg geht?

Jana Scheel: Nein, nicht mehr.Ich habe es die Jahre zuvor gemacht aber jetzt verlasse ich mich absolut auf Martin. Der macht das für mich und steht dann auch hinter dem Catwalk bevor die Models rausgehen und kontrolliert jede Frisur und geht, wenn‘s nötig ist auch, noch mal mit Kamm oder Hairspray rüber.

NB: Was wärst du sonst geworden, wenn du nicht diesen Beruf gewählt hättest?

Jana Scheel: Meine ursprüngliche Idee war Informatikerin zu werden. Meine Tante hatte damals einen Job als Informatikerin an der Universität und hat mich ein paar Mal in Programmierkurse mitgenommen. Ja, aber dann kam ich in die pubertierende Phase und habe mich für andere Dinge interessiert und meine berufliche Perspektive hat eine andere Richtung genommen und so bin ich dann Hairstylistin geworden und habe meine ganze Leidenschaft in diesen kreativen Beruf reingesteckt.

NB: Welchen Tipp würdest du jungen Hairstylisten mit auf den Weg geben, die auch den Wunsch haben, es soweit zu bringen wie du?

Jana Scheel: Viele Coiffeure und Coiffeusen wissen gar nicht wie facettenreich unser Beruf ist. Sie sollen daher viel ausprobieren und sich vor allem mehr zutrauen. Zum Beispiel mal bei einem Fotoshootings mitmachen und nicht denken, das kann ich nicht. Sie sollen auch selbstbewusster werden und einfach vorwärts gehen.

NB: Was ist Jana Scheel für ein Mensch und was mag sie abseits von Haaren sonst noch im Leben?

Jana Scheel: Alles was mit Genuss zusammenhängt. Wenn ich hier in Zürich bin, sind es die Luxemburgerli! Oh dafür würd‘ ich sterben und alle die wissen, dass ich normalerweise Nein antworte würde, hat mit den Luxemburgeli die Wunderwaffe in der Hand mich umzustimmen. Dann lese ich auch viel und schreibe auch selber. Ich mag die zwischenmenschlichen Geschichten zwischen Männlein und Weiblein, Weiblein und Weiblein sowie Männlein und Männlein. Der Vorteil meiner Tätigkeit ist ja, dass ich ganz vielen Menschen begegne, Situationen sehe, beobachte und erlebe. All diese Facetten von zwischenmenschlichen Beziehungen find ich spannend und schreibe sie gerne auf. Das ist für mich Entspannung und gleichzeitig mein Hobby abseits der Haare.

NB: Vielen Dank fürs Gespräch!

 

Alle Fotos von Gerry Ebner

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