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Der mit der grossen Klappe

Von Wilma Fasola

Anlässlich des 28. Goodwood Festival of Speed liess McLaren zum ersten Mal seinen neuen Grand Tourer auf die Menschheit los. Beim traditionellen Hill Climb stellte er seine 620 PS unter Beweis – mit mir als Beifahrer.

Es ist ein bisschen wie „Wacken“ – auch beim Goodwood Festival of Speed strömen tausende Menschen einmal im Jahr an einen Ort, den niemand direkt auf der Landkarte finden würde. Doch an diesem ersten Wochenende im Juli fanden rund 150‘000 begeisterte Automobilisten den Weg nach Westhampnett. Rund 125 Kilometer von London City entfernt findet hier einmal im Jahr das heimlich als Highlight der Branche gefeierte Best of-Event statt. Bereits seit 1993 lädt der Duke of Richmond alles was Rang, Namen und ein PS-starkes Auto hat auf das Areal rund ums Goodwood House, plus die Menschen, die genau das mal hautnah erleben wollen. In diesem Jahr durften sich Schaulustige, Branchenkenner und Fans über die Anwesenheit von Formel1-Legenden wie Mika Häkkinen, Damon Hill und Sir Jackie Stewart freuen.

Der Höhepunkt

Im Fokus der viertägigen Veranstaltung: der „Hill Climb“. Eine 1,16 Meilen lange Auffahrt auf den Hausberg des Familiensitzes. Ein echter Ritt, bei denen die neun Kurven enger nicht sein könnten und die Mauern einen küssen wollen. Allein wäre ich ganz sicher im Schneckentempo hinaufgefahren und hätte den tausenden Zuschauern zugewunken, stolz dabei zu sein. Doch ein solches Fahrverhalten steht einem knapp 200‘000 Euro und 620 PS starken Boliden nicht wirklich gut zu Gesicht. Daher liess ich mich bei dem kurzen Sprint im neuen McLaren GT von einem Werksfahrer der englischen Supersportwagen-Marke chauffieren. Und der zeigte gekonnt, dass der neue GT es wirklich in etwas mehr als drei Sekunden auf 100 km/h bringt. Das Winken habe ich dabei komplett vergessen. Als nach rund 9 Sekunden die 200 km/h-Marke gekappt wurde, habe ich es einfach nur genossen.

Der Alltagstaugliche

Für den McLaren Grand Tourer war es der erste öffentliche Auftritt. Und für die Marke selbst ein Statement. Immer noch Sportwagen ist das neue Modell als alltagstauglicher Alleskönner konzipiert, der laut McLaren-Chef Mike Flewitt „aussergewöhnliche Fahrleistung mit Langstreckenkomfort verbinden“. Dem geschuldet wurde auch der Stauraum ordentlich aufgerüstet. 570 Liter stehen dem Reisewilligen nun zur Verfügung. Der grösste Teil davon versteckt sich unter der elektrischen Heckklappe. Mit ihrer Länge von 1,80 Metern ein Novum im Sportwagensegment. Dazu macht das Fahrerlebnis endlich entspannte Langstreckentouren möglich. Inklusive Ersatzkleidung und Goldausrüstung.

Der Leistungsfähige

Mit etwas über 1500 Kilo ist der McLaren GT übrigens ein echtes Leichtgewicht im Vergleich mit anderen seiner Art. Er stellt den Beweis auf, dass ein GT nicht schwer sein muss, um geil zu sein. Angetrieben vom 4 Liter-Twin-V8 Biturbo sorgt er für Spitzenwert von 326 km/h – was wir übrigens an diesem Tag in Goodwood nicht erreicht haben. Leider oder Gott sei Dank – ein bisschen von beidem. Ich jedenfalls würde immer wieder einsteigen, auch hinter dem Steuer. Die angehenden Besitzer können übrigens schon einmal die Wochen zählen, die ersten Fahrzeuge werden Ende 2019 ausgeliefert. v