1683 Views |  Like

Art Basel

Basel ist zurzeit einmal mehr das Mekka der zeitgenössischen Kunstwelt. Die international bedeutendste Messe für Gegenwartskunst hat ihre Tore wieder geöffnet und vermittelt schönes an Reiche.

All-inclusive-Kitsch
Es ist ein ewig wiederkehrender Witz in der Kunstszene: Das Bild über dem Sofa. Will man einen Künstler erledigen, sagt man, er mache Wohnzimmerkunst. Ein Todesurteil, immer noch, obwohl sich ein Bild im Anything-goes-Zeitalter ganz schön sträuben muss, um nicht wohnzimmertauglich zu sein. Vieles davon war vorhanden, meist von denjenigen Künstlern die sich darüber beschwerten, es habe zuviele Menschen an der Messe – Kunst solle einzigartig sein.

Kunst kaufen tut weh
Das Gerempel beim Einlass zur Art Basel für die eingeflogenen first choice Gäste war so gross, dass eine Sammlerin gegen eine Barriere gedrückt wurde und sich dermassen verletzte, dass man sie ins Krankenhaus bringen musste. Wie ein Tsunami schwappte die erste und exklusivste Welle in die Halle 2 mit mehr als 300 Galerien und Werken von 2500 Künstlern – alle insgesamt versichert für 1,8 Milliarden Franken.

Dabei wussten die Herren sich ihrer Ellenbogen so rücksichtslos zu bedienen wie die Damen ihrer wehrhaften Luxustaschen. Sie waren eben nicht zu ihrem Vergnügen gekommen, sie wollten kaufen, kaufen, kaufen.

Andy Warhol
Eines der teuersten Werke war „One Hundred and Fifty Black/White/Grey Marilyns“ von Andy Warhol bei Bischofberger. Mit 80 Millionen Franken nutzte die Schweizer Galerie die Gunst der Stunde. Erst vor wenigen Monaten wechselte das Warhol Werk „Men in Her Life“ auf einer Auktion für 64 Millionen Franken den Besitzer – die zweitteuerste Arbeit des amerikanischen Pop-Künstlers.

Über den Teich
Die Zukunft liegt im Fernen Osten. Das hat auch Art Basel verstanden und im Mai insgesamt 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK übernommen. Ein gelungener Schachzug, denn nach Informationen des weltweit führenden Kunstportals „Artprice“ wurden bereits im vergangenen Jahr 33 Prozent des Weltumsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht. Neben der Hauptmesse in Basel und dem 2002 gegründeten Ableger in Miami wird die als Flaggschiff der Weltkunstmessen bezeichnete Art Basel jetzt auch in Asien vertreten sein. Damit wollen die Organisatoren nicht nur den europäischen und amerikanischen Galerien den Sprung in den Zukunftsmarkt erleichtern, sondern auch asiatische Besucher nach Basel und Miami locken.

Art Unlimited
Das Selbstvertrauen der großen Player ist zweieinhalb Jahre nach der Finanzkrise wieder zurück, jedoch nicht die Experimentierfreudigkeit. In dem Sonderbereich „Art Unlimited“ wurden diesmal 62 Werke gezeigt, deren Bestimmung es ist, monumental und innovativ zu sein, wie der Name sagt. Auf der 17 000 Quadratmeter großen Fläche, die eigens den raumausgreifenden Werken gewidmet ist, die den Rahmen einer Messekoje sprengen, glänzten zwar große Werke und große Namen wie Anish Kapoor, John Baldessari und Daniel Buren, doch hatte dieser Teil den nachhaltigen Déjà-vu-Effekt.

Einige dieser Werke aus der Art Unlimited und aus der Scope Art, eine zeitgleiche Schwestermesse: