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Photo10 – prêt à porter der Fotoszene

Eine der bedeutendsten Werkschauen für Schweizer Fotografie öffnete bereits zum sechsten Mal in der Maag Event Hall in Zürich ihre Tore. 120 Fotografen stellten auch dieses Jahr ihre besten Werke aus dem Jahr 2010 aus. Einige darunter sehr eindrücklich, andere unglaublich normal. Hier eine Auswahl der Kategorie „bleibend“.

Wie fast an jedem Zürcher Event fehlten natürlich Hiltl und Campari nicht. Was eine Bar oder ein Imbissstand an einer Fotoausstellung zu suchen hat, bleibt unbeantwortet. Vielleicht dienen beide als Erholungsoasen, denn fast etwas schwindelig wird einem beim Vorbeiziehen an den unzähligen, unterschiedlichsten Kunstwerken.

Etwas Bedrohliches haben die grauen Beton-Wände mit der schwarzen Aufschrift „Im Gefängnis“ in den Ecken der Räume. Dieser Teil der Ausstellung „Die Sicht der Anderen“ soll räumliche Grenzen mittels einer Parallelwelt aufzeigen. Besonders beeindruckend ist die Arbeit von Daniel „Samo“ Bolliger und Markus Mallaun, die in einem Regionalgefängnis in Bern die Sicht eines Nicht-Eingesperrten mit ihrer Kamera festhielten. Es sind alltägliche Gebrauchsgegenstände und Objekte wie eine Zahnbürste, Figuren eines „Jöggeli“-Kastens oder ein Bett, die eine gewisse Melancholie ausströmen und den Bildern etwas Beklemmendes geben. Der Besucher erhält eine Vorstellung davon, was es bedeuten muss, 23 Stunden am Tag in einer Zelle eingesperrt zu sein.
(Bild Nr.3 und.4)

Tina Weiss, – man kennt sie aus der „Streetspy“-Sektion im Blick am Abend -, zeigt ihre Bilder, welche mit einer Hipstamatic-Applikation aufgenommen wurden. Eine Kamera, die 1982 nur 157-mal produziert wurde. Heutzutage ist sie als iPhone-Applikation erhältlich…
(Bild Nr. 5)

Originell ist die Aufnahme: „Tavolata“, welche Bildausschnitte diverser Arbeiten aus dem Food-Bereich zeigt. Pia Grimbühler bildet Essensgegenstände gerne übergross oder ultraklein ab. Es reizt sie, das Skurille und den inszenierte Konsum abzulichten.


(Bild Nr. 6 und 12)

Dann die Frage nach dem typisch Schweizerischen, welche sich Claude Baechtold auf seiner Reise nach Afghanistan stellt. Da man sich als hier geborener Schweizer oft ein bisschen langweilt und weiss Gott wo hinreisen muss, um seine Abenteuerlust zu stillen, fragt man sich irgendwann vielleicht doch: was ist denn eigentlich so anders in Afghanistan, China oder sonst wo? Die Unterschiede sind mit einer gewissen Portion Humor aufgenommen:
(Bild Nr. 7, 8, 9)

Die sehr eindrücklichen Fotos aus Indien werden in Erinnerung bleiben.
Der Fotograf trifft es exakt: Indien ist nicht ein Land, dass man einfach erleben und dann wieder vergessen kann. Als Reisender bleiben einem emotional bewegende Momente, sei es die unglaubliche Farbenpracht und kulturelle Vielfalt oder eben die Armut und das Leid. Markus Mallaun zeigt uns einen Teil von Indien, der vielen vermutlich unbekannt ist. Portraits von Menschen, etwas abseits der Slums und der Armut in den Städten, die trotz ihrer Armut und tiefer Kastenzugehörigkeit eine grosse Würde und Schönheit ausstrahlen. Ist ihm gelungen!
(Bild Nr. 10)

Und zum Abschluss kehren einpaar Bilder dem Besucher den Rücken, unter anderem das Folgende:
(Bild Nr. 11)