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Würdigung eines Pioniers der Edelsteinforschung

Bildschirmfoto 2013-04-05 um 15.01.23Zum 100. Geburtstag von Eduard Josef Gübelin (1913 –2005)

Im Jahr 2013 feiert das Uhren- und Juwelierunternehmen Gübelin den Gründer des international bekannten Gübelin Gem Lab: Eduard Josef Gübelin wäre am 16. März 100 Jahre alt geworden. Er führte von 1945 bis 1976 mit seinem Bruder Walter das Familienunternehmen Gübelin in dritter Generation und war ein Pionier der Edelsteinforschung. Seine lebenslangen Studien über Einschlüsse in Edelsteinen und ihre Bedeutung bei deren Identifikation waren bahnbrechend. Als Folge seiner Forschungstätigkeit baute er das 1923 von seinem Vater Moritz Gübelin gegründeteGübelin Gem Lab so aus, dass von da an die Prüfung von Edelsteinen wissenschaftlich erfolgte.  

Eduard Josef Gübelin wurde am 16. März 1913 in Luzern als ältestes von sieben Kindern geboren. Sein Vater Moritz arbeitete im Uhrengeschäft von seinem Grossvater Eduard Gübelin-Breitschmid am Schweizerhofquai in Luzern. An Edelsteinen und ihrer Identifikation zeigte Eduard bereits als Junge Interesse und brachte oft von einem Ausflug besondere Steine mit nach Hause, die er dann zu identifizieren und klassifizieren versuchte. 1932 begann er in Zürich das Studium der Mineralogie. Entscheidend für sein Interesse an Edelsteinen war ein Aufenthalt an der Universität Wien. Der Studienzeit in Europa folgte 1939 ein Aufenthalt in New York, wo er die Prüfung als Certified Gemologist CG am Gemological Institute of America (GIA) absolvierte, als zweiter Europäer überhaupt. 1945 erhielt Eduard Josef Gübelin seinDiamond Certificate von der Schweizerischen Gemmologischen Gesellschaft

Er unternahm von dann an zu Forschungszwecken zahlreiche Reisen in Gebiete mit Edelsteinvorkommen; in rund fünfzig Jahren besuchte der Luzerner hunderte verschiedener Edelsteinfundorte in der Welt und erweiterte damit laufend seine Kenntnisse. Er trug denn auch die Steine zusammen, die er auf seinen Reisen direkt vor Ort erwarb, und ordnete sie in ein System ein, das er fortlaufend ergänzte. Seine Forschungsergebnisse publizierte er in wissenschaftlichen Zeitschriften: Sein erster Artikel erschien 1940 unter dem Titel Differences between burmese and siam rubies. Es folgten zahlreiche weitere wissenschaftliche Abhandlungen, die in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Eduard Josef Gübelin konzentrierte sich bei seiner Forschungstätigkeit immer mehr auf das Gebiet der Einschlüsse in Edelsteinen und deren Bedeutung bei der Bestimmung der geografischen Herkunft eines Steins. Weil die dazu notwendigen Instrumente und Apparate zum Teil gar noch nicht vorhanden waren, entwickelte er solche selbst, sowie in Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Zeiss.

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts war die Edelsteinforschung noch wenig fortgeschritten; die Einschlüsse in den Steinen hielt man für einen unerwünschten Schönheitsfehler, die deren Preis minderten. Eduard Josef Gübelin erkannte aber zu dieser Zeit, dass diese Einschlüsse Aufschluss über den natürlichen oder behandelten Zustand eines Steins sowie über seinen geografischen Ursprungsort geben. Er dokumentierte Einschlüsse und andere gemmologischen Eigenschaften der untersuchten Steine und schlug eine Systematik vor, die noch heute die Grundlage für die Bestimmung der geografischen Herkunft bildet. Seine Erkenntnisse erlaubten zudem die Unterscheidung von unbehandelten und chemisch behandelten Steinen, ein weiterer Faktor der für den Edelsteinhandel von grosser Bedeutung ist.

Als Folge seiner Forschungsergebnisse wurde das 1923 gegründete Gübelin Gem Lab, damals als eines der ersten privaten Labors weltweit, ausgebaut und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Über die Jahrzehnte hat sich das Labor einen unerreichten Grad an Kompetenz und Glaubwürdigkeit erarbeitet und wurde in der Folge auch von den grossen Auktionshäusern sowie von professionellen Edelsteinhändlern für  Expertenmeinungen konsultiert. Das Gübelin Gem Lab in seiner heutigen Form ist die Weiterführung der lebenslangen Forschung und der Erkenntnisse von Eduard Josef Gübelin in dem Bereich. Die konsequente Anwendung von wissenschaftlichen Methoden bei der Beschreibung und Bestimmung von Edelsteinen in der Juwelierbranche ist zweifelsfrei eine der grössten seiner Errungenschaften.

Seitdem prüft das Labor im Dienste von Kunden Identität und Echtheit von Diamanten, Farbedelsteinen und Perlen, bestimmt allfällige chemische Behandlungen und deren mögliche Herkunft. Diese unabhängigen bzw. neutralen Analysen geniessen weltweit den Ruf von grosser Qualität und absoluter Vertrauenswürdigkeit. Deshalb wanden sich Auktionshäuser, Banken, Versicherungen, Museen, Juwelenhändler und private Sammler an das Gübelin Gem Lab, um dort ihre Edelsteine überprüfen zu lassen. Der Edelsteinbericht von Gübelin gleicht heute einem international anerkannten Wertpapier. Dank der von Eduard Gübelin augrund seiner Forschungsreisen begonnenen Referenzsteinsammlung von mittlerweile über  25’000 Exemplaren, meistens in ungeschliffenem Rohzustand, aus allen kommerziell relevanten Edelsteinminen der Welt, ist das Labor auch in der Lage, den Herkunftsort von zahlreichen Edelsteinen festzustellen. Diese Referenzsteine sind komplett dokumentiert und analysiert und bilden die Basis einer umfassenden Datenbank über die jeweiligen lokalspezifischen Eigenschaften bestimmter Vorkommen. Geologen und Gemmologen des Gübelin Gem Labs besuchen jedes Jahr mehrere Dutzend Minen und Handelszentren, um die Sammlung und die dazu gehörige Datenbank aktuell zu halten. Diese Referenzsammlung ist für die Forscher die Datenbasis bei der Herkunftsbestimmung eines Steins und ist ein weiterer Verdienst von Eduard Josef Gübelin.