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Anna Calvi macht Brechstangen-Pop-Rock salonfähig

Die junge Britin Anna Calvi hat viel zu bieten, optisch und musikalisch. Die britische Schönheit hat Dampf, in der Stimme und in den Fingern an der Gitarre. Und den lässt sie raus. Wo ihre Stimme ihr nicht mehr genügt, da ergreifen Gitarrenriffs das Wort. Mit ihrer ganz eigenen Musikmischung mit magischen Vocals einer Edith Piaf oder Maria Callas, gepaart mit Trash Metal affinen Passagen, Surfrock und experimentellen Parts, hat sich Anna Calvi einen hohen Wiedererkennungswert geschaffen.

 

Der Stimmenfestival-Auftritt vom 21.07.2014 mit Anna Calvi hatte es insich. Sie machte auf den erste Blick IMG_8256nicht unbedingt den Eindruck einer Rockröhre oder eines harten Mädchen, das es Jimi Hendrix gleich tun wollte. Mit weißer Spitzenbluse, edlen schwarzen Hosen und einem goldenen Gürtel, kam sie auf Highheels eher wie eine Diva daher. Die Haare locker und gelockt, schwang sie aber recht schnell die Gitarre um sich und beförderte deren Klänge mit einer Kraft über die Seiten heraus, dass man glaubte, sie würden sich wie eine Brechstange durch die Musik schlagen. Eben gerade sang sie noch wie eine Diva, mit hoher Stimme und Elfengemüt und im nächsten Moment schickte sie Gitarrenklänge auf die Reise, welche den eben noch vorhandenen Romantizismus verjagten. Ein Xylophon und weitere Instrumente sorgten für interessante Zwischentöne.

Im Repertoire brachte sie einige Songs ihrer beiden Alben „Anna Calvi“ und „One Breath“. Darunter einigeIMG_8260fetzige Nummer wie „Suddenly“, „Blackout“, „Desire“ und „Jezebel“. Zu den eher sanfteren Stücken zählten an dem Abend “ First we kiss“ oder „Love won`t be leaving“. Mit „Rider“ präsentierte sie dem Publikum auch ein instrumentales Stück. Der rauh-herbe Pop-Rock mit Versatzstücken aus dem Flamenco eignete sich nicht unbedingt zum Tanzen, erweckte aber im ein oder anderem Headbanger Ambitionen. Im Laufe des Konzertes wechselten auch viele im Publikum vom Sitzplatz zum Stehplatz vor der Bühne. Die eigenwillige musikalische MIschung zog das Publikum in ihren Bann.

IMG_8312Anna Calvi war mit Herzblut bei der Sache. Sie kniete sich in jedes Gitarrensolo. Geriet fast in Extase, wenn sie die Gitarrenseiten spielte, versank für kurze Momente in ihrer eigenen Welt und legte dann wieder von neuem los.

Der Support mit Thea Hjelmeland wurde kurzfristig umbesetzt. Aufgrund eines familären Trauerfalls sagte die Skandinavierin kurzfristig ab. Über eine Agentur machte man Lasse Matthiessen aus Dänemark ausfindig. Er sprang ein und reiste extra an. Lasse Matthiessen sprach erstaunlich gut deutsch, da es ihn zwischen durch immer wieder gern nach Berlin zieht. Er kam allein, mit seiner Gitarre. Der absolute Gegensatz zu Anna Calvi.

IMG_8185Lasse Matthiessen kam mit sehr melancholischen, sehr ruhigen und sehnsüchtigen Songs über die Liebe und das Leben zum Stimmenfestival. Zuvor spielte er eher „Wohnzimmerkonzerte“. Damit schien das Stimmenkonzert für ihn ein wertvolles Debüt zu sein. Er hatte zuvor auch noch nie in Lörrach gespielt. Besonders ansprechend war der Humor des Dänen. Mit lustigen Bemerkungen wie: „Ich sehe euch nicht, über euch ist alles dunkel, ich glaube aber, meine Haare sind zu lang.“, brachte er das Publikum mit wenigen Wort zum Lachen.

Mit seiner ausgezeichneten Gitarrentechnik setzte er in seinen Songs Zeichen. Auch Jazzliebhaber werden an seiner Musik viel Freude haben. Seine letzte Platte war wohl eine „klischeehafte Trennungsplatte“, erzählte er. In den Song „Looking for Reason“ sang er darüber, dass man seine Liebe nicht immer beweisen sollen müsste und in „In Water and Salt“ sang er über die Situation einen Partner zu haben und plötzlich einen anderen Menschen kennenzulernen. Geschichten, die das Leben schreibt.