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Exklusivinterview mit Hollywoodstar Keira Knightley

Bildschirmfoto 2013-04-05 um 10.58.16Im exklusivem Interview mit Keira Knightley (Anna Karenina). Für Blackpaper steht die seit Jahren erfolgreiche Schauspielerin Rede und Antwort. Natürlich auch zum aktuellen Film Anna Karenina, aus der Feder Tolstois, der die unglücklich verheiratete und gleichzeitig unglücklich verliebte junge Frau in ihr Schicksal treibt. Ein Liebesdrama so menschlich und immer noch aktuell.

Keira Knightley ist eine der bekanntesten Filmschauspielerinnen der Welt und schaffte schon 2002 mit ihrem Film“ Bend it like Beckham“ 2002 ihren Durchbruch, noch bevor sie die Hauptrolle in der „Pirates of the Caribbean-Saga“ bekam. Sie bekam auch Hauptrollen in einer Reihe weiterer Filme einschließlich „Pride & Prejudice“ (2005); „Antonement and Silk“ (2007); „Die Herzogin“ (2008); „A Dangerous Method“ (2011) und „Anna Karenina“ (2012). Und punktete in Filmen wie „Love Actually“ (2003), „King Arthur“ (2004); „The Jacket, Domino“ (beide 2005), „The Edge of Love“ (2008), „London Boulevard“; „Never Let Me Go“; „Last Night“ (alle 2010), und „Seeking a Friend for the End of the World“ (2012).

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Im Interview mit Keira Knightley  alias Anna Karenina

 

Q: Mögen Sie den Charakter von Anna im Film?

A: Nicht jeden Tag. Ich fand es wirklich hart sie zu spielen. Ich denke, ich habe sie und ihrer Bedürftigkeit dazu verurteilt und die Tatsache, dass sie nie erkennen kann oder will, was vor ihr liegt. Sie kann nicht einmal den Moment erfassen, in dem sie sich befindet, was nicht heißen soll, dass ich sie gar nicht verstehe, aber ich kann nicht sagen, dass ich sie immer gemocht habe.

Q: Was denken Sie über die Entscheidungen, die Anna fällt?

A: Sie macht nun mal die einzigen Entscheidungen, die sie an dem Punkt, an dem sie steht machen kann. Ich weiß nicht, ob diese  richtig oder falsch sind. Wenn Sie das Buch lesen, wird sie auf jeden Fall verurteilt und sie wird in dem Buch beurteilt. Und es ist sehr einfach, sie zu beobachten und zu beurteilen, sie  zu verurteilen, als wir es untereinander tun und mit uns selbst verfahren. Aber ich glaube nicht, dass sie notwendigerweise in dem Momenten handeln muss, wie sie es  tut. Das ist irgendwie ganz aus dem Leben gegriffen, zudem in einer lustigen Art und Weise.

Q: Woran erinnern Sie sich noch aus der Anfangszeit, als Sie das Buch zum ersten Mal gelesen haben?

A: Das erste Mal, als  ich es las, war ich ungefähr 18, als Teenager, Anfang  der 20er Jahre. Ich habe es als eine Romanze in Erinnerung. Ich kann mich auch erinnern den Film dazu von Helen McCrory im Fernsehen gesehen zu haben. Ich erinnere mich, dass es sehr romantisch war. Ich denke, das war es wohl, weil ich gerade Mal 15 Jahre alt war, als ich diesen damals sah. Man hat einfach eine andere Sicht der Dinge.  So ist es auch ganz anders, wenn Sie zum ersten Mal ein Buch lesen und es nur als solches auffassen. Sie sehen nur  Ganze, nur, während Sie einen Charakter nachspielen und auf den Charakter gleichzeitig schauen. Dabei wechselt der  Blick auf das Ganze. So auch, wenn Sie Anna Karenina (1873-1877) lesen. Sie können Sie der  Tatsache nicht entkommen, dass Tolstoi Anna gelegentlich verachtet hat. Seinen Urteil über sie spürt man überall im Text. Die meiste Erzählzeit steht er außen vor und urteilt über sie. So war es wirklich eine interessante Sache und Tenor des Buches ist nun mal sie zu verurteilen, denn das ist der Kern des Buches. „Und auch wenn Du nicht entkommen kannst, aber von Seiten des  Spielens ihrer Person musste ich doch in sie hinein schlüpfen, um zu verstehen, warum sie zu dieser Lebenssituation gelangte, ohne sie von innen dafür zu verurteilen, das machte Spaß.

Q: Haben Sie jemals Gefühle wie Anna gehabt? Können Sie auf Grund eigener persönlichen Erfahrungen mit ihr sympathisieren?

A: Jeder hat solche Gefühle wie diese. Als wir mit diesem Projekt begonnen haben, sagte Tom Stoppard, der Drehbuchautor, dass Anna Karenina eine These über die Liebe, über alle Formen der Liebe sei. Ich dachte: ‚. Ich weiß nicht, was er meint. Bei genauerer Betrachtung hat er vollkommen Recht, weil es Liebe ist und nicht nur Romantik. Normalerweise, wenn Sie eine Liebesgeschichte nehmen, konzentrieren Sie sich auf den romantischen Aspekte, dann auf großartigen Sex und Kameradschaft, und alles passt. Aber das ist nur stück weit das, was das Gefühl der Liebe ausmacht. Liebe ist auch Eifersucht und Schmerz und Einsamkeit. Was erstaunlich am  Buch ist dem Film Hoffnung gibt, dass ist der Versuch, das ganze Spektrum dessen, was Liebe und Emotionen ausmacht, zu erfassen. Ob ich das schon Mal so gespürt habe?  Ja, auf die gleiche Weise, wie jeder Heranwachsende, der in irgendeiner Art von Beziehung gewesen ist.

Q: Denkst Sie, dass Anna Karenina ein weiterer Schritt in eine erfolgreiche Karriere ist?

A: Ich weiß es nicht. Ich habe so viele Erfolge  in meiner Karriere erlebt, wo  Menschen mir sagten: „Oh, das ist ein Wendepunkt. Die Leute sehen Dich nun mit ganz neuen Augen“. Alles, was ich wirklich sagen kann, ist, dass man nur hoffen kann, dass die Leute, das was man macht, interessant finden und die ganze Sache genießen. Außerdem glaube ich nicht, das es etwas gibt, was hier etwas ändern würde. Ich für meinen Teil, habe nicht die Macht, dies zu tun.

Q: Hat Anna Sie verändert?

A: Sie war wunderbar und man hofft, dass alles einen verändern kann. Wenn ich sagen müsste, warum genau diese mich verändert hat, würde ich nichts wissen. Man wird von Tag zu Tag älter und ändert sich. Wenn die nächste Frage lauten würde: „Was haben Sie gelernt von ihr?“ – Ich habe keine Ahnung.

Q: Wie fanden Sie das Tanzen vor laufender Kamera?

A: Ein Albtraum. Als wir es zum ersten Mal sahen, dachten wir ‚Oh ja, das ist einfach“. Dann plötzlich taten all diese Hände verschiedene Dinge und die Beine taten verschiedene Dinge. Es war ziemlich schwierig.

Q: Gibt es irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen der aristokratischen Gesellschaft der Welt Anna Kareninas und der Filmindustrie?

A: Ja, absolut, aber ich denke, es ist gleichermaßen  für die Gesellschaft im Allgemeinen anwendbar. Es ist ein Spielplatz, und wie auf dem Spielplatz gibt es ein Kind, das alle gegen sich hat, weil es die falschen Schuhe trägt, oder jeder schaut zu.  Das ist, was uns als eine Gruppe zusammenhält, indem alles auf diese Person bezogen wird, denn das zementiert diese Gruppe. Wir tun das überall so. Und ja, das machen wir in der Filmbranche. Ich bin sicher, man tut das auch in einer aristokratischen Gesellschaft. Wir tun es im Büro – ein Mädchen flirtet mit dem Chef, um eine Beförderung zu bekommen, und das ganze Büro ist gegen sie. Es ist überall im menschlichen Wesen.

Q: Kann man sich den Leuten, die auf einem schauen, entziehen? 

A: Sie können denen nicht entkommen, zur Gesellschaft selbst dazugehören  und den anderen moralisch gegenüber zustehen. Ich habe bislang niemanden getroffen, der dieses Recht hätte, das zu tun, denke ich. Doch wir alle tun es die ganze Zeit und wir genießen es. Ich könnte mir vorstellen, ich bin genauso schuldig wie jeder andere, aber eigentlich, wenn wir uns selbst betrachten, haben wir nicht das Recht dazu.

Q: Schauen Sie manchmal auf sich selbst und denken, „Ich arbeite zu hart, ich mache zu viel“?

A: Die Balance zwischen Leben und Arbeit ist schwierig. Ich mache jetzt  viel weniger, als ich es fünf oder sechs Jahren zuvor getan habe, wo ich wirklich fünf oder sechs Jahren non-stop durchgearbeitet habe. Das ist nicht wirklich machbar. Ich mache zwei Filme in diesem Jahr. Ich habe zwei Filme und ein Theaterstück im vergangenen Jahr gemacht. Ich wird aber sehr schnell langweilig, so dass ich immer weiter arbeiten werde. Es wird immer Situationen geben, in denen ich weniger arbeite und wahrscheinlich wieder Situationen, in denen ich mehr tun werden.

Q: Welche der Rollen, die Sie gespielt haben, war für Sie die größte Herausforderung?

A: Anna war definitiv die größte Herausforderung, denn technisch war der Film so stilisiert. Auf einem buchstäblich langweiligen technischen Niveau, auch die Aufnahmen waren so präzise. Sie versuchten dich durch einen Spiegel und dann durch einen weiteren Spiegel zu fokussieren  Um sich dann auf dein Gesicht zu konzentriert. Es dauerte 15 Mal, um den Fokus richtig zu erzielen und dann musst du dich als Schauspieler daran erinnern, wie du die Gefühle da wieder richtig hinein packen sollst. Es war sehr aufreibend und der gesamte Prozess war ermüdend. Es ist oft so, wenn stilisierte Filmen eine Aufführungen erhalten sollen. Uns war von Beginn an klar, wir wollten es nicht stumpf , wir wollten die emotionale Sache auf ein sehr intensives Niveau bringen. Das war ziemlich schwierig. Auf einer anderen Ebene aber auch einfach, weil Anna so in diesem Buch verurteilt wird. Dafür muss man Liz Bennet, die Autorin lieben. Die Schriftsteller lieben sie, wer einen Film über sie macht, liebt sie und das Publikum liebt sie auch. Sie ist eine wunderbare Person, um sie zu spielen. Anna ist mehr, als das was sie darstellt. Sie ist die Heldin und die Anti-Heldin zugleich. Durch das Balancieren und den Versuch, all diese negativen Aspekte ihrer Person zu erfassen, ohne sie völlig abweisend für ein Publikum zu präsentieren, stellt es einen ganz seltsamen Balanceakt dar.

Q: Die Kostüme im Film sind wunderbar. Haben Sie etwas aus dem Film für Ihre private Garderobe ausgesucht?

A: Nein! Das wunderbar an all diesen Kostümen ist, Sie  geben sie zurück und müssen sie nie wieder tragen. Ich hätte gern die Diamanten behalten. Aber eigentlich fühlten sie sich ein bisschen schwer. Sie zogen nach unten.

Q: Zeigen Sie Ihre Abendgarderobe gern auf dem roten Teppich?

A: Ich mag es ein schönes Kleid auf mal hier mal da zu tragen. Ich bin aber sehr froh, dass ich es nicht  jeden Tag tun muss.

Q: Vor einigen Jahren sagten Sie, dass Sie Ihre Karriere  eher kurzlebig sein würde. Haben Sie doch noch darüber nachgedacht, oder sind Sie überrascht, dass du immer noch im Rennen?

A: Ein bisschen von beidem. Es gab Filme, die gut waren und Filme, die mir nicht gut getan haben. Ja, ich bin überrascht. Ich bin unglaublich glücklich. Es gibt eine Menge Leute, die ein paar Filme haben und dann bekommen sie nichts mehr.  Ich habe wirklich Glück mit den Leuten, mit denen ich gearbeitet habe und die Zahl der Filme, die ich gemacht haben. Ich habe unglaubliches Glück. Ich glaube auch nicht, dass es Schauspieler gibt, die sagen, so das war es,  es geht jetzt alles vorbei. Das alles ist nur ein Teil des Seins eines Schauspielers.
Q: Stört es Sie, dass sich die Menschen manchmal auf Ihr Aussehen und weniger auf Ihrere schauspielerischen Qualitäten konzentrieren?

A: Ich bin sehr glücklich, dass sie nicht sagen, dass ich die hässlichste Frau der Welt bin. Schauen Sie, es herrscht eine Bild-basierten Industrie, und ich weiß, dass ich die Rolle in „Fluch der Karibik“ (2003, 2005, 2007) nur deshalb bekam, weil ich so aussehe, wie ich es tue. Es gab eine Menge von hübschen Mädchen die dafür ebenfalls geeignet wären, so muss es auch etwas anderes sein. Manche Menschen finden es attraktiv und einige Leute finden es ekelhaft, und das ist so, wie es ist.

Q: Glauben Sie, dass der Druck in diesem Geschäft noch am ehesten dazu führt, dass Frauen so gut aussehen, als andere Aspekte?

A: Ja, für Frauen im Allgemeinen. In welcher Hinsicht auch immer es um gutes Aussehen geht, die Art und Weise wie unsere Körper zu sein haben, welche Kleider wir tragen sollen oder unsere Haarfarbe zu sein hat – es ist immer mit Druck auf unseren Schultern verbunden. Wir alle kaufen uns in das Problem hinein und sind selbst schuld daran – vor allem Schauspielerinnen, die sich selbst zum Objekt erkoren, tragen eine riesige Schuld daran.

Wir sagen DANKE für das tolle Interview.

ENGL. – DE übersetzt durch Eva Weber (Redaktorin Blackpaper)

Der Film Anna Karenina kommt am 11. April in den Handel. Altersfreigabe ab 12 Jahren. Als DVD (EAN: 50505 8292798 6) sowie als Blu-ray (5050582930870) erhältlich, mit Bonusmaterial.

 

Darsteller u.a.

Anna Arkadyevna Karenina  Keira Knightley

Alexei Alexandrovich Karenin Jude Law

Graf Alexei Vronsky Aaron Taylor-Johnson

Dolly Kelly Macdonald

Oblonsky Matthew Macfadyen

Stab

Regie:  Joe Wright

Drehbuch: Tom Stoppard

Produzenten: Tim Bevan, Eric Fellner, Paul Webster