654 Views |  Like

Steve McQueen: Shame

„We’re not bad people, we just come from a bad place.“

 

Brandon ist ein gut aussehender New Yorker in den Dreissigern, welcher erfolgreich im Berufsleben steht und sich sein Appartement durchaus komfortabel eingerichtet hat. Um seine Alltagsroutine auszugleichen, führt er ein ausgesprochen wildes Sexleben voller bedeutungsloser Affären und One-Night-Stands. Als schliesslich seine Schwester Sissy nach zahlreichen gescheiterten Telefonanrufen plötzlich unangekündigt bei ihm aufkreuzt, scheint Brandon immer tiefer seiner Sexsucht zu verfallen. Mit dem Auftritt der Schwester setzt gleichzeitig der Zerfall der Figur Brandon ein.

Steve McQueen schuf mit seinem Film einen brillanten und wunderschön inszenierten Ausschnitt aus dem Leben eines Sexsüchtigen. Auf der einen Seite wunderschön, auf der anderen bedauernswert und traurig – genau so präsentiert er uns auch den Protagonisten Brandon, zu welchem wir den ganzen Film über nur wenig Hintergrundinformationen erhalten. Was offensichtlich ist, muss aber auch nicht ausgesprochen werden, denn sein Leid steht im förmlich ins Gesicht geschrieben. Wir bekommen somit sowohl von Michael Fassbender (Brandon) als auch von Carey Mulligan (Sissy) ein hervorragendes Schauspiel  geboten, welches unterlegt ist mit einem unglaublich rührenden Soundtrack vom Komponisten Harry Escott.

Die Beziehungen zwischen dem Geschwisterpaar Brandon und Sissy spielt eine entscheidende Rolle im Film. Wir erleben einerseits Sissy, welche verzweifelt bei ihrem Bruder unglaubliche Nähe sucht und als Kontrast zu ihr die Figur Brandon, welcher sich jeglichen emotionalen Ausbrüchen seiner Schwester verweigert und sich aller Verantwortung entzieht. Wir erfahren jedoch durch ein Gespräch zwischen den beiden, dass sie eine scheinbar schlimme Vergangenheit hinter sich haben, was eine starke Bindung zwischen den beiden Figuren herstellt. Sowohl die Bilder als auch der Soundtrack scheinen unsere Gefühlleiter hinauf und hinunter klettern zu können! Dem Regisseur Steve McQueen ist somit eindeutig ein ästhetisches Meisterwerk gelungen, welches den Titel Shame trägt.

Ein packendes Drama, welches viel Sinn für Sensibilität und Details zeigt. Zurzeit in den Schweizer Kinos.

 

Der Trailer zum Film:

Trailersong: Harry Escott – Brandon