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Styles beim Gurtenfestival 2012

Die Zeiten, dass Mann nur mit kariertem Hemd und Jeans auf die Bühne stieg, waren eigentlich noch nie da. Auch am dritten Tag des Gurtenfestivals (14.07.2012) schauten wir hinter die Kulissen und waren nicht wirklich überrascht, was die Modetrickkiste so manches Musikers herzauberte.

Sein Outfit stehe schon vor dem Auftritt fest, versicherte Abu und legte los. „Socken mit Caromuster, halb eng anliegende Unterhosen, Farbe schwarz. Hosen der Designerin Sarah Elsayed aus Hamburg. Oben schlicht, uni Hemd oder Shirt (je nach Betriebstemperaturen). Das Schuhwerk – meist tiefe Converse mit weißem Leder. Ritualmäßig werden sämtliche Ringe vor dem Konzert abgezogen und auf einen Haufen im Backstage gelegt. Die Ketten am linken Handgelenk bleiben, sowie das Kruzifix, welches mir von einer alten Dame aus Südfrankreich vor ein paar Jahren mit den Worten „es soll dir gutes tun“ mit auf den Weg gegeben worden ist.“ Dabei gilt für ihn eigentlich „carte blanche“. Aber er hat ein fixes Outfit. Was die Band angeht, diese „hat zurzeit die Vorgabe schwarz gekleidet auf die Bühne zu kommen“. Auf die folgende Fragen, bei der so manche Frau schon zum aufzählen überginge, weiß auch Abu zu antworten, als er nach Lieblingskleidungsstücken gefragt wurde: „Der Kleiderschrank ist voller Lieblingskleidungsstücke. Der lange Gang meiner Wohnung mit Schuhen über die ganze Länge belegt. Sie sind belebt und beseelt, das macht sie einzigartig. Auf der Bühne habe ich keinen besonderen Glücksbringer. Oder nur besondere Glücksbringer. Das linke Handgelenk ist voll gepackt mit guten Erinnerungen, Glückwünschen und Danksagungen. Das Bühnendress ist wie ein Buchumschlag, sprich das Startsymbol vor dem Konzert, um meine persönlichen Geschichten erzählen zu dürfen. Und solange es um Mode geht, legt Abu lieber selbst noch an. Von Designern einkleiden, das sei nicht undenkbar, „wenn es eine Möglichkeit gäbe, wäre dies zu prüfen. Wichtig wäre hierbei, dass das Outfit mir entspricht, und nicht irgendwem anders. Aus diesem Grund habe ich mit der Modedesignerin Sarah Elsayed aus Hamburg und Zaralita aus der Schweiz zusammengearbeitet. Zwei Jungtalente, welche mich menschlich, sowie fachlich zu lesen verstehen.“ Bei aller Liebe zur Mode und Design sagt er aber auch klar: „Ich bin kein fashion-victim, der jedem Modetrend hinterher eifert. Ich weiß, was ich mag und was nicht, ungeachtet dessen, was man tragen sollte. Die Mode ist für mich ein Ausdruck der persönlichen Individualität. So sollte sie geliebt und gelebt werden. Schlussendlich ist die eigene Haut wohl unser wichtigstes Kleidungsstück, welches wir weder abstreifen noch ablegen können.“

 

Gleich zu Beginn des Interviews wird klar, Tim & Puma Mimi mögen es goldig. Für Puma Mimi sieht ihr Bühnen-Style so aus: „Gold schimmernde Hosen von American Apparel, zwei goldene Halsketten, eine Plastik Spielzeugkette gold angesprüht, die andere auf der Strasse gefunden. Dazu ein weißes T-Shirt und wildes Haar-Styling. Tim nimmt es auf der Bühne etwas lockerer. Er trägt eine witzige NY Kappe, welche er in einem 99 Cent Laden in New York. Eine Kappe für knapp 4 Doller, rot mit goldenen „NY“ Lettern, das lässt ihn verrückter auf der Bühne erscheinen.“ Natürlich ist das Styling für die Bühne schon im Voraus geplant. „Jede Saison ein Styling“, so Puma Mimi. Sie entschiede alles, da Tim das Shopping hassen würde. In dieser Zeit würde er ohnehin noch nach seiner wahren Mode Identität suchen. Am liebsten träge er Anzüge, aber für den Sommer sei es einfach zu heiß. Natürlich besitze auch Puma Mimi Lieblingsstücke, wie ihre goldene, große, funky Kette. Diese mache einen guten Kontrast zu ihrer kleinen Körpergröße. Einen kleinen Bühnentrick verriet sie auch. Wilde Haarfrisuren. Wenn sie ihren Kopf leicht schüttle, schaue es gleich wie Head Banging aus. Einfach „crazy“. Doch trotzt so viel Modepower – privat sehen die beiden anders aus. Nur auf der Bühne wähle Puma Mimi gern poppige, lustige und aussagestarke Kostüme, welche ihr Kraft gäben, um zu performen. Dabei spielen Designer normalerweise keine Rolle. Bei dem Clip „High 5 Low 5“ wären sie von der New Yorker Sylistin Momo Vilaitanarak beraten worden. Einmal auch für eine Fizzen Show. Sonst hasst Tim Modediskussionen, so dass Puma Mimi Modetrends auch eher mit Freunden bespreche. Auf die Frage, wie wichtig ihnen Mode und Design allgemein im Leben sei, gab es ein klares Statement: „ Wir mögen keine etablierten Marken und folgen ungern Trends. Wir mögen keine sauberen, oberflächlichen Designs und Fashion für Unmengen an Geld. Für Tim & Puma Mimi ist es jedoch wichtig, ihren musikalischen Style zu demonstrieren – kitschig, minimalistisch, etwas vom Pop, einbisschen vom HipHop, etwas freaky.“ Privat möge man ohnehin am liebsten Brockenlädeli.