447 Views |  Like

„Uhrenikone“: die Royal Oak

 Bildschirmfoto 2013-05-23 um 15.06.09Sentier, den 21. Mai 2013 – Fast genau ein Jahr nach der Wiedereröffnung des neu gestalteten Espace Horloger zeigt das Museum nun schon seine zweite Sonderausstellung. Nach den „Schuluhren“ nun eine „Uhrenikone“: die Royal Oak. Eine Uhr, welche die DNA des Vallée de Joux in sich trägt und auch international in die Annalen einging: als erste Luxusuhr in Stahl, aber auch als gewagter Schachzug, der ihrem Hersteller und einer ganzen Industrie das Überleben sichern sollte. Die Ausstellung befasst sich auch mit Gérald Genta, dem visionären Vater der Uhr. Er definierte neu, was Luxus sein kann und verlieh damit den verschiedenen Handwerken der Uhrenindustrie und ihren Fertigkeiten eine neue Dimension, ein neues Prestige. Die Ausstellung wird am 23. Mai in Anwesenheit der Geschäftsleitung von Audemars Piguet eröffnet, vom 24. Mai bis zum 30. März 2014 kann das breite Publikum sie bewundern.

Eine Ikone entsteht

Der Legende nach machte Gérald Genta die Zeichnung der Uhr über Nacht. Sein Ziel war, eine sportliche und zugleich edle Uhr zu entwerfen, zwei Adjektive, die 1971 noch nicht zusammen passen wollten. Das Stahlskelett sollte teurer sein als Gold, das mechanische Werk das flachste überhaupt. Begeistern sollte die Uhr wohlhabende, eher konservative Käufer. Das Konzept verweigerte alles, was damals bei Uhren üblich war: Form, Material und Grösse. Eine Uhr gegen alle Trends. Ein kühner Wurf, ein Risiko, für das Gérald Genta einstand. Er öffnete dem Uhrendesign Tür und Tor und erlaubte der Uhrenindustrie, sich gegenüber den Quarzuhren wieder in Position zu bringen. Die Saga begann 1971, und sie hatte einen Namen: Royal Oak, wie der berühmte hohle Baum, in dem sich der britischen Thronerbe Charles II versteckte, was ihm das Leben rettete. Inzwischen steht der Name für einen Mythos. Die ersten Prototypen lagen 1972 bereit, 1974 wurde das erste Kapitel der Legende geschrieben, als FIAT-Chef Giovanni Agnelli erstmals mit der Uhr am Handgelenk in der Öffentlichkeit auftrat. Über Nacht erlebte die Royal Oak einen beispiellosen Erfolg und stellte die internationale Uhrenwelt auf den Kopf.

Bildschirmfoto 2013-05-23 um 15.06.26

Uhrmacherei als Handwerkskunst: Luxus wird neu definiert

Der Erfolg dieser Uhrenikone wirkte sich auf den ganzen Uhrensektor aus, er verlieh den verschiedenen Handwerksdisziplinen neuen Glanz – und dem Vallée de Joux gleich mit. Nun waren nicht mehr edle Materialien alleinige Garanten für den Wert einer Uhr. Die Arbeit, die Verzierungen und die Fertigkeiten der Handwerker wurden zu Faktoren von edler Vielfalt und Verfeinerung. Das einschalige Stahlgehäuse mit gebürsteten und polierten Flächen, das Neusilber-Zifferblatt, das integrierte Armband und natürlich das extraflache mechanische Werk waren Trümpfe dieser Uhr, ebenso edle Komplikationen wie Tourbillon, Ewiger Kalender, Schleppzeiger- Chronograph und Minutenrepetition, die alle den Weg in die Designikone Royal Oak gefunden haben. Gérald Genta erfand damit gleichzeitig das Metier des „Uhrendesigners“ und machte es populär. Diese Geschichte der Talente ist im Espace Horloger genau am richtigen Ort, denn das Museum möchte die Region und ihre 250 Jahre Uhrengeschichte eben auch über die Präsentation der Uhrenberufe ins beste Licht rücken.

Die Royal Oak in all ihren Formen

Seit über 40 Jahren also geht es bei der Royal Oak um Uhrenberufe und besondere Fertigkeiten. Neben den ausgestellten 13 Exemplaren werden auch zwei Uhrwerke – ein vollständiges, eines zum Zusammenbau – sowie ein auseinander montiertes Gehäuse den geschickten Händen der Schüler der Ecole Technique du Vallée de Joux als Material für technische Demonstrationen dienen. Der Espace Atelier dient hierzu als massgeschneiderte Lernplattform. Zwei Mikrokameras filmen die präzisen Bewegungen der Techniker, welche, zusammen mit den winzigen Werkstücken, über zwei Bildschirme sichtbar gemacht werden. Doch die Geschichte der Royal Oak ist auch eine des kommerziellen Erfolges. Einen ganzen Monat lang, vom 24. Mai bis zum 24. Juni 2013, wird im Essor-Gebäude eine Retrospektive der Werbung für diese Ikone aus den ersten 20 Jahren ihrer Existenz gezeigt.

Der Espace Horloger: eine Bilanz nach der Umgestaltung

Seit seiner Wiedereröffnung vor einem Jahr erlebt der Espace Horloger einen neuen Frühling! Über 8.000 Besucher aus der ganzen Welt waren schon im Essor zu Gast. Und damit jetzt schon mehr, als die ursprünglichen Prognosen bis 2016 voraussagten! Uhrenfans, Uhrenliebhaber, Schüler, Familien – sie alle kamen, um das Erbe des Vallée de Joux und seiner Region zu entdecken. Zahlreiche Asiaten, aber auch Schweizer haben ihre Liebe zu Le Sentier entdeckt. Dazu trägt die ausgeprägte Persönlichkeit des Espace bei. Die 500 m2 Ausstellungsfläche sind ultramodern. Schautafeln der Uhrenberufe, Ludotemps-Technologie und 3-D-Filme sind museografische Werkzeuge der neuen Generation, sie projizieren die Jahrhunderte alte Geschichte in ein entschieden technologisch geprägtes 21. Jahrhundert. Verschiedene Workshops, Vorträge und Vorführungen der unterschiedlichen Uhrenberufe ergänzen das umfassende Arbeitsprogramm der letzten 12 Monate, um die Besonderheiten der Region ins Rampenlicht zu rücken. Ein neues Angebot heisst „Le temps d’une journée“, eine weitere Möglichkeit, die Zeit – und eine ganze Region – zu entdecken. Hier ist neben dem Espace Horloger auch der Jardin du Temps, der Garten der Zeit in Le Brassus beteiligt. Vincent Jaton und sein Team haben bewiesen, dass ihre Idee funktioniert: einen Ort zu schaffen für Menschen von 7 bis 77, einen Treffpunkt, der auch die Berufe und die möglichen Ausbildungen in der Uhrenwelt berücksichtigt, der vor allem aber die Uhrmacherei dem breiten Publikum näher bringt. Ein idealer Ort des Lernens, modular veränderbar für alle Bedürfnisse.